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Der Fall Weinstein brachte die #MeToo -Debatte ins Rollen.

Sexismus

#MeToo ändert in Deutschland kaum etwas

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Hierzulande kommt die #MeToo-Debatte über sexuelle Übergriffe und Missbrauch nur behäbig voran, allzu oft wird das Thema lächerlich gemacht. Warum eigentlich? Die Kolumne.

Etwa zwei Monate ist es her, dass die ersten Artikel über Harvey Weinstein, den Hollywood-Produzenten, erschienen, in denen geschildert wurde, wie er junge Schauspielerinnen nackt in seinem Hotelzimmer empfing. In einer internationalen Kampagne, die unter dem Hashtag #MeToo zusammengefasst wurde, erzählten Frauen und Männer von Gewalt, Sexismus, Diskrimierung. Das renommierte Magazin „Time“ hat in dieser Woche die Frauen, die die Debatte in Gang gebracht haben, mit einem Cover gewürdigt.

Es gibt Länder, in denen #MeToo etwas bewirkt hat. In Frankreich hat der Präsident Emmanuel Macron Gleichberechtigung zu einem Schwerpunkt seiner Amtszeit erklärt. Die Regierung arbeitet an neuen Gesetzen zur Ahndung sexueller Gewalt und Beleidigung im Internet. In Schweden haben Tausende Frauen einen offenen Brief unterzeichnet, der ein Klima der Angst anprangert, darunter viele Schauspielerinnen, Sängerinnen, Medizinerinnen, Juristinnen.

Es geht ihnen nicht darum, die Karrieren einzelner Männer zu beenden, sondern alle Männer anzusprechen. Zu einer Veranstaltung, bei der Schauspielerinnen Leidensgeschichten vorlasen, kam die schwedische Königin. Kann man sich das vorstellen, dass in Deutschland der Bundespräsident eine #MeToo-Veranstaltung besucht? Es fällt auf, dass die Debatte besonders intensiv dort geführt wird, wo es ein gesellschaftliches Bewusstsein für die Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen gibt.

In Deutschland wurde #MeToo vor allem in den Medien diskutiert. Kanzlerin Angela Merkel tat so, als habe das alles mit ihr nichts zu tun. Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau spielte in den gescheiterten Jamaika-Verhandlungen keine Rolle, was man auch daran sah, dass zwar ständig über das Finanzministerium und einen Digital-Beauftragten, aber so gut wie nie über das Familienministerium geredet wurde.

Hierzulande drehte sich die #MeToo-Debatte bald vor allem um die Frage, ob Männer ihren Kolleginnen noch Komplimente zu ihrem Äußeren machen dürfen. Die deutsche Lösung, so Kritiker, scheint zu sein, das Problem lächerlich zu machen. Ein Kritikpunkt war, dass bei #MeToo die schlimmen Erfahrungen mit den harmloseren vermischt werden. Dabei wird verkannt, dass es um ein Klima geht, um einen Nährboden, in dem Verachtung, Geringschätzung, Diskriminierung gedeihen können.

Ein Grund, warum die Debatte hierzulande so behäbig läuft, ist vielleicht, dass es eine große Angst gibt, als Opfer zu erscheinen. Anders als in den USA gilt jemand, der über sich und negativen Erfahrungen redet, schnell als schwach. Dass das Drüber-Reden, das Sich-Öffnen ein Akt der Selbstermächtigung sein kann, wird weniger gesehen.

Die Debatte könnte wohl auch eher Schlagkraft entwickeln, wenn es mehr Verständnis zwischen den verschiedenen Generationen von Frauen geben würde. Der #MeToo-Aufschrei kam überwiegend von jungen Frauen unter vierzig, die schärfsten Kritikerinnen, wie die „Spiegel“-Reporterin Gisela Friedrichsen, waren etwas älter. Auch andere aggressive Stimmen kamen von Frauen, die vor dreißig, vierzig Jahren ihr Berufsleben begannen. Das war eine Zeit, in der es überlebenswichtig war, die Perspektive von Männern zu verinnerlichen. Wie schreibt der rumänische Essayist E. M. Cioran: „Wir können nicht ertragen, von jemandem beurteilt zu werden, der weniger gelitten hat als wir.“

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