Merkel in China

Zeit für klare Worte

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Der Appell der Bundeskanzlerin zur Gewaltfreiheit in Hongkong ist nicht deutlich genug. Der Kommentar.

Das kennen wir schon lange: Wenn die deutsche Bundeskanzlerin eine Wirtschaftsmacht wie China besucht, hat sie jede Menge Manager dabei. So können alle sehen, worum es den Beteiligten vor allem geht.

Es gibt allerdings zwischen Angela Merkel und einem Konzernchef wie Joe Kaeser von Siemens einen Unterschied: Kaeser spricht offener – es ließe sich auch sagen: skrupelloser – aus, wo die Prioritäten liegen. Er sieht „Interessenlagen“, und das dürften aus seiner Sicht vor allem ökonomische sein, zumindest auf gleicher Höhe mit „moralischen Werten“. Die Kanzlerin dagegen stellt ihren Appell zur Gewaltfreiheit in Hongkong nicht ausdrücklich in einen Zusammenhang mit Wirtschaftsinteressen. Aber meint sie wirklich etwas anderes?

Das hätte sie beweisen können, spätestens jetzt, da in Hongkong Pekings Machtanspruch und westliche Ideen direkt aufeinanderprallen. Da müsste zumindest die Politik einen Schritt weitergehen: Es wäre Zeit für wesentlich klarere Worte. Auch wenn das die Geduld der chinesischen Machthaber auf die Probe stellen würde.

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