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Menschenpflichten

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Friedenspreisträgerin Aleida Assmann über eine humane Gesellschaft.

Aleida Assmann, Professorin für Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft in Konstanz, wird an diesem Sonntag zusammen mit ihrem Ehemann, dem Ägyptologen Jan Assmann, in Frankfurt am Main den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegennehmen. Ihr neuestes Buch hat den Untertitel „Schlüsselbegriffe für eine humane Gesellschaft“.

Aleida Assmann erinnert an die christlichen „Sieben Werke der Barmherzigkeit“, zu denen auch die Aufnahme von Fremden gehört. Sie zitiert eine Passage aus einer Kantate von Johann Sebastian Bach mitten hinein in die aktuellen Debatten um den Verfall der politischen Kultur im Internet: „Verleumden, Schmähn und Richten, Verdammen und Vernichten ist überall gemein“ (BWV 24). Das erinnert daran, dass die Probleme der Gegenwart so neu nicht sind, wie sie Schönrednern der Vergangenheit vorkommen mögen.

Wie der Titel deutlich macht, geht es Aleida Assmann darum, dass wir die gegenseitige Abhängigkeit von Rechten und Pflichten einsehen. Sie zitiert den US-amerikanischen Historiker und Juristen Samuel Moyn: „Menschenrechte verkümmern ohne Menschenpflichten.“ Ihm geht es vor allem darum, dass, wer auf der Einhaltung der Menschenrechte besteht, das sinnvoll nur tun kann, wenn er sich zugleich für mehr soziale und ökonomische Gerechtigkeit einsetzt.

Zu den „Schlüsselbegriffen für eine humane Gesellschaft“ zählen für Aleida Assmann Zivilität, Höflichkeit, Respekt, Empathie. All diese Begriffe müssen im Zusammenhang gesehen werden, in dem sie sich gewissermaßen aneinander abarbeiten. Keiner davon ist absolut zu nehmen.

Das Buch wird abgeschlossen mit der 1997 von Hans Küng formulierten „Allgemeinen Erklärung der Menschenpflichten“, deren erster Artikel lautet: „Jede Person ... hat die Pflicht, alle Menschen menschlich zu behandeln.“

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