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Klimabrief

Mein liebster Schatz,

Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der „Fridays for Future“-Bewegung.

ich frage mich, ob du diesen Brief jemals lesen würdest. Ich denke nicht, dennoch möchte ich ihn schreiben, denn es gibt so vieles, was ich zu erzählen habe.

Eines Tages würde ich dir vielleicht selbst von Regenwäldern, Eisbären und Seelöwen erzählen. Von Wäldern, die so dicht sind, dass du nur deinen eigenen Atem hörst, und Strände, deren Sand sanft und weich zwischen den Zehen hindurchrieselt. Papageien in schillernden Farben und Giraffen mit Hälsen so lang wie Straßenlaternen. Das alles würdest du bestimmt in deinen Kinderbüchern sehen, genau wie den Schnee, die leuchtenden Farben des Herbstes, weiße Weihnachten.

Ich könnte dir Fotos von all dem zeigen. Veraltete, letzte Fotos von den Orten und Tieren, die es bis dahin nicht mehr geben wird. Ich frage mich, wie deine Welt aus- sähe. Hätte ich die Möglichkeit, dir vorzulesen? Würden wir die Möglichkeit haben zusammenzubleiben? Am Wochenende habe ich meine Uroma besucht. Sie würde sich so auf dich freuen, genau wie meine Oma und meine Mama. Du würdest so geliebt werden, und ich frage mich, wie du hier ankämst. Würdest du dieselben Eigen-schaften wie ich haben? Oder wie die deines anderen Elternteils? Wer das wohl wär, frage ich mich. Würdest du so verträumt wie deine Tante oder so fleißig wie deine Oma? So sportlich wie dein Opa? Wie würdest du aussehen – hättest du meine braunen Augen und dasselbe Muttermal im Arm wie ich und meine Schwestern?

Wie würde dein Leben aussehen? Deine Kindheit? Werde ich mich um dich kümmern und dir alles schenken können? Oder würde Mangel unseren Alltag bestimmen – Wasser eine Rarität sein und Nahrungsmittel knapp. Vielleicht müssten wir unser Zuhause verlassen und uns auf den Weg machen, um nach einem besseren Ort für dich zu suchen. Wie es heute schon die Realität von Menschen im globalen Süden ist. Oder wir müssten zusammenrücken und für Menschen Platz machen, deren Wohnorte unbewohnbar geworden sind. Die durch Dürre oder unerträgliche Hitze vertrieben werden. Würde ich dir jemals die Orte zeigen können, aus denen unsere Familie kommt? Oder werden sie überschwemmt sein und von Kriegen und Konflikten um Ressourcen zerrüttet? Wird es die Welt, so wie ich sie kenne, noch existieren?

All das sind Fragen, die ich mir stelle. So wie es gerade aussieht, werden wir uns wahrscheinlich niemals kennenlernen. Nach fast drei Jahren Klimastreiks wurde gerade ein Kohleausstieg 2030 im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Das reicht noch lange nicht aus, aber ist ein guter Anfang, und wir kämpfen weiter. Für alle, die heute schon die Auswirkungen der Klimakrise spüren, aber auch für dich.

Alles Liebe, deine Mama Sumejja Dizdarevic

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