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Die Pandemie zwingt uns, über neue Formen des Protests jenseits der Menschenkette nachzudenken. Ein Kommentar.

Nun hat das Coronavirus auch die lange Tradition der Ostermärsche gebrochen. Zumindest in Frankfurt. In einer der zentralen deutschen Städte der Ostermarschierer untersagte die Kommune einen Motorradkorso, bei dem Menschen dazu aufgerufen waren, an der viele Kilometer langen Strecke ihre Unterstützung für die Protestbewegung zu zeigen.

Die Stadt hielt diesen Aufruf für „unverständlich und unverhältnismäßig“. Sicherheitskräfte könnten die Einhaltung des erforderlichen Sicherheitsabstands nicht garantieren. Doch man muss kein Prophet sein, um sagen zu können: Vor jedem Supermarkt stehen die Menschen derzeit dichter gedrängt Schlange, als es bei dieser Form des Osterprotests der Fall gewesen wäre.

Das Verwaltungsgericht Schwerin hat die Sache differenzierter betrachtet und zwei Demonstrationen entgegen der Entscheidung der Stadt genehmigt. Es sei nicht plausibel, dass der Gesundheitsschutz nur über das vollständige Versammlungsverbot gewährleistet werden könnte.

Die Pandemie zwingt uns, über neue Formen des Protests jenseits der Menschenkette nachzudenken. Die Behörden sollten diesen Denkprozess nicht verbieten.

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