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Von: Michael Kopatz

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Muss der da parken?
Muss der da parken? © Imago

Schlimmster Aufreger ist das Thema Parken. Die Kolumne Öko-logisch.

Seit nunmehr sieben Jahren bin ich kommunalpolitisch aktiv und damit Kummer gewöhnt. Inzwischen bringt quasi jeder Beschluss, der die vorhandenen Gegebenheiten verändert, Protestaktionen mit sich.

Schlimmster Aufreger ist das Thema Parken. Die Kosten fürs Parken, die Suche nach einem Parkplatz, die Verfügbarkeit, die Nähe dazu. Das waren meine ersten Erfahrungen in der Kommunalpolitik. Ganz zu Beginn ist es mir gelungen, die Fraktionen zu überzeugen, zwei Parkplätze vor einem Fahrradladen in einen Bereich für Aufenthalt und das Abstellen von Fahrrädern umzugestalten. Ich dachte mir, das geht ja erstaunlich einfach, denn ich hatte mit dem Widerstand der Geschäftsinhaberin gerechnet.

Doch das Gegenteil war der Fall. Sie war ganz begeistert von der Idee, denn vor ihrem Laden parkten fast nie Kunden, wohl aber regelmäßig Wohnende aus den anliegenden Häusern. Ohne die Autos könne man das Geschäft viel besser sehen und der Aufenthaltsbereich sei quasi kostenlose Werbung für ihren Laden. Später habe ich festgestellt: Die anderen Händler an der Straße sahen das ganz ähnlich.

Nicht auf der Rechnung hatte ich den Widerstand der Anwohner:innen. Zunächst waren die Mails noch freundlich, dann nicht mehr so. Schlimmer war allerdings die Aufregung der PS-Lobby. Das sind Menschen, die sich zusammengeschlossen haben, um jedes Projekt zu bekämpfen, das den Autoverkehr aus der Innenstadt verdrängen möchte. Sie machen in den sozialen Medien die Proteste von Wenigen zu einer Woge der Empörung. Ihnen geht es nicht um die Parkplätze für Menschen in der Innenstadt, sondern ums Prinzip, um ihre automobile Potenz und Protzerei. Die Lokalpresse greift den vermeintlichen „gesellschaftlichen Konflikt“ dankbar auf und berichtet mehrfach über das „lächerlich kleine“ Projekt.

Da gehen die Vertreter:innen der Bürgerschaft meist mutlos in Deckung. Doch inzwischen finden sich immer häufiger Entscheidungsträger mit Rückgrat, die sich mutig für eine enkeltaugliche Zukunft einsetzen. Übrigens hatte sich bei den erwähnten Stellflächen vorm Fahrradladen die Aufregung rasch gelegt, sobald klar war, dass es dabei bleibt.

Dr. Michael Kopatz ist seit August 2022 Dezernent für Klimastrukturwandel in Marburg und für sechs Jahre von seiner wissenschaftlichen Projektleitung am Wuppertal Institut für Klima, Energie, Umwelt beurlaubt.

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