Kolumne

Mehr Zeit für Freizeit

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Wenn in Zukunft die Roboter das Arbeiten übernehmen, werden die Menschen in Berlin am wenigsten Probleme damit haben, sich anderweitig zu beschäftigen.

Wenn uns vorher nicht schon Klimawandel oder Feinstaub dahingerafft haben, müssen wir uns in naher Zukunft auf große Umbrüche in der Arbeitswelt einstellen. Damit meine ich jetzt nicht den neuen Berliner Feiertag, sondern die Automatisierung, die uns Jobs kosten wird.

Als Berlinerin frage ich mich da natürlich gleich reflexhaft: „Hä? Welche Jobs?“. Aber der Witz stammt noch aus der Zeit, als man keine 1400 Euro Miete zahlen musste, wenn man nicht gerade in einer Villa am Schlachtensee residierte. Jedenfalls wird sich Arbeit fundamental transformieren und wir müssen uns langsam mal Gedanken darüber machen, wie sich Deutschland dadurch verändern wird. Eine Gesellschaft, in der Wert und Würde von Menschen derart an die Lohnarbeit geknüpft werden, muss sich da ganz schön umstellen.

Die Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen köchelt ja immerhin schon ein bisschen. Noch stehen dem aber viele skeptisch gegenüber. Wie soll das bitte konkret aussehen? Um das herauszufinden, wurde das bedingungslose Einkommen nun schon viele Jahre in der Berliner Verwaltung ausprobiert, aber jetzt höre ich auch schon auf mit den billigen Berlin-Klischee-Witzen.

Berechnungen zufolge könnte in den USA fast die Hälfte aller Jobs bis 2030 von Robotern oder Software übernommen werden. Wenn die Roboter anrücken, ist es für uns zunächst wohl zum ersten Mal von Vorteil, so wenig arbeitsintensive Industrie zu haben.

Aber nicht nur in der Produktion fallen Stellen weg, vor allem Sekretariatsarbeiten, Tätigkeiten in Verkauf, Gastronomie und Logistik werden von Maschinen übernommen. Dabei ist insbesondere der Niedriglohnsektor gefährdet. Also quasi wir alle.

Immerhin: Die Kreativ- und Kulturwirtschaft ist auch ein wichtiger Wirtschaftszweig und der Roboter muss erst mal erfunden werden, der zuerst stundenlang Twitter liest, um dann kurz vor Deadline panisch eine Kolumne runterzuklöppeln. Ich denke aber, dass uns in Berlin die Automatisierung aus einem anderen Grund nicht so hart treffen wird. Auch wenn die Berliner Wirtschaft wächst und es morgens in der U-Bahn mittlerweile wirklich so aussieht, als führen Menschen in dieser Stadt zur Arbeit, kennen wir auch andere Zeiten. War nicht jeder Berliner irgendwann schon mal arbeitslos?

Ich glaube, dass wir uns hier deshalb nicht so stark über unsere Jobs definieren wie Menschen in anderen Gegenden Deutschlands. Somit wird es uns weniger in unserem Selbstverständnis treffen, wenn sich die Arbeitswelt wirklich dahingehend verändern wird, dass es weniger zu tun gibt. Wir sind gute Freizeitoptimierer und das ist wertvoll, wenn es dazu kommen wird, unsere Zeit weniger mit Lohnarbeit als mit selbst gewählten sinnstiftenden Tätigkeiten zu füllen.

Ich kann mir auch vorstellen, dass sich der Wandel langsamer vollziehen wird als es manche prophezeien. Jedes Mal, wenn ich im Supermarkt die SB-Kasse benutze und es dann zehn Minuten länger dauert, weil sich trotz korrekter Handhabung wieder irgendein unerwarteter Artikel in der Packstation befindet, denke ich, dass wir uns vielleicht eh noch ein bisschen in die Arbeit stürzen müssen, bis sie uns endlich von Maschinen abgenommen wird. Aber trotzdem: Unsere Zeit wird kommen!

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