Trotz der Eigenverantwortung, die Jugendliche heute selbstbewusst tragen, hat sich an deren Wahlrechtsstatus seit 1970 nichts verändert.
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Trotz der Eigenverantwortung, die Jugendliche heute selbstbewusst tragen, hat sich an deren Wahlrechtsstatus seit 1970 nichts verändert.

Pro

Mehr Teilhabe

Britta Haßelmann von den Grünen befürwortet das Wahlrecht für Jugendliche ab 16 Jahren.

Seit der letzten Reform zur Absenkung des Wahlalters auf 18 Jahre vor 50 Jahren hat sich die Welt politisch, ökologisch und gesellschaftlich immens verändert. Weiterhin unverändert ist aber, dass Jugendliche im politischen Alltag noch immer zu wenig Gehör finden.

Trotz der Eigenverantwortung, die Jugendliche heute selbstbewusst tragen, hat sich an deren Wahlrechtsstatus seit 1970 nichts verändert. Selbst wenn sie zu Tausenden auf die Straßen gehen, wird ihnen gesagt, dass sie lieber brav lernen sollen – die Erwachsenen regeln das schon.

Dieses Mantra zieht bei jungen Menschen heute aber nicht mehr. Jugendliche sind Träger demokratischer Grundrechte. Sie wollen ihre Zukunft selber in die Hand nehmen und eine Politik in den Fokus rücken, die in die Zukunft trägt. Viele Anliegen, die heute auf Demonstrationen und Panels von Jugendorganisationen, im digitalen und analogen Raum, diskutiert werden, haben für andere Generationen vielleicht nur eine geringere Priorität. Für Jugendliche sind sie aber sehr reell und drängend. Dieser Schieflage kann man unmittelbar mit einer Absenkung des Wahlalters auf 16 begegnen.

Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel wird eine Anpassung des Wahlalters noch viel dringender. So war schon bei der letzten Bundestagswahl nur jede und jeder siebte Wahlberechtigte unter 30 Jahre alt. Diese Entwicklung darf sich nicht fortsetzen. Ich will, dass sich junge Menschen mit ihren Ideen von der Zukunft beteiligen und aktiv am politischen Leben teilnehmen können. Jugendliche verfügen über die Fähigkeit, sich eine politische Meinung zu bilden. Die politische Sozialisation von Jugendlichen spielt eine immens wichtige Rolle. Sie beginnt meistens zu Hause und in der Schule, wo Jugendliche die meiste Zeit verbringen. Dort können junge Menschen sehr gut über Wahlen und ihre Wichtigkeit in einer Demokratie informiert werden. Die Einführung des Wahlalters 16 wirkt auch dem Politikverdruss entgegen und weckt sicher auch mehr politisches Interesse.

Junge Menschen, die unsere Altlasten zu tragen haben, sollten mehr gehört werden und das geht am besten über die Freiheit, zu wählen. Denn das Recht auf Einmischung und Mitbestimmung sollte für junge Menschen nicht mit einem Schild in der Hand enden, sondern an der Wahlurne mit dem Stimmzettel in der Hand. Wir brauchen ein klares Signal unserer Gesellschaft an die junge Generation, dass sie von zentralen Zukunftsentscheidungen nicht länger ausgeschlossen ist.

Britta Haßelmann, für die Grünen im Bundestag.

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