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Überflutungen nach dem Zyklon „Idai“ in Mosambik. Die ohnehin geringen Ernten sind mit großer Sicherheit verloren.

Klimawandel

Humanitäre Hilfe bleibt die kostspielige Alternative

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Extreme Wetterereignisse wie der Zyklon „Idai“ in Mosambik zeigen: Wir müssen die Entwicklungsländer im Kampf gegen den Klimawandel effektiver unterstützen. Der Gastbeitrag.

Noch immer stehen weite Teile Südostafrikas unter Wasser, nachdem Zyklon „Idai“ vor knapp zwei Wochen eine Schneise der Verwüstung hinterließ. „Idai“ gilt als einer der stärksten Wirbelstürme der südlichen Hemisphäre. Besonders schwer traf es die Länder Mosambik, Malawi und Simbabwe, dort leiden mehr als 2,6 Millionen Menschen unter der Zerstörung, den Wassermassen und den Versorgungsengpässen. Allein in Mosambik kamen bislang über 400 Menschen ums Leben und es wird erwartet, dass die Zahl der Toten steigt, sobald das Wasser zurückgegangen ist. Erst dann wird das gesamte Ausmaß der Katastrophe sichtbar sein.

Nach einer Naturkatastrophe sind Frauen und Mädchen oft am stärksten betroffen, sie verlieren viel häufiger ihr Leben. In Folge des Tsunamis im Indischen Ozean von 2004 starben in Indonesien über 100 000 Menschen – fast 80 Prozent von ihnen waren Frauen. Viele von ihnen konnten nicht schwimmen oder keinen sicheren Zufluchtsort finden. Auch nach Zyklon „Idai“ kam für viele Frauen und Mädchen jede Hilfe zu spät, wie Care-Nothelferin Jennifer Bose aus Mosambik berichtet: „Viele Menschen hier mussten hilflos zusehen, wie ihre Familienmitglieder von den Fluten mitgerissen wurden. Die Kraft des Zyklons ist immer noch überall sichtbar, Schiffscontainer wurden wie Legosteine verstreut, Bäume sind umgestürzt, alles ist voller Schlamm.“

Die internationale Gemeinschaft hat bereits Millionenhilfen für humanitäre Organisationen bereitgestellt. Nach Naturkatastrophen reagieren die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen wie Care sofort und stellen etwa Trinkwasser, Nahrungsmittel und Notunterkünfte bereit. Doch wir können aktuell nur ein Pflaster auf eine stark blutende Wunde kleben: Es wird nicht reichen.

Das von der EU versprochene Klimageld reicht nicht aus

Experten weisen schon seit Jahren auf den direkten Zusammenhang zwischen dem von Menschen verursachten Klimawandel und extremen Wetterereignissen hin, so auch im jüngsten Fall von Zyklon „Idai“. Untersuchungen zeigen, dass die Veränderungen der Erdtemperatur und die Erwärmung der Meere dafür verantwortlich sind, dass Wirbelstürme heftiger und häufiger erscheinen. Und wie immer trifft es diejenigen, deren eigener CO2-Ausstoß minimal ist: die Ärmsten der Armen.

Unsere Aufgabe ist es, den politischen Druck zu erhöhen und immer wieder vehement darauf hinzuweisen, dass alle Staaten, gerade auch Deutschland und die EU, ihren Verpflichtungen innerhalb des Pariser Klimavertrags nachkommen müssen. Im Klimaabkommen haben sich Industriestaaten gemeinsam dazu verpflichtet, bis 2020 jährlich mindestens 88 Milliarden Euro bereitzustellen, um Entwicklungsländer widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen und den Klimaschutz dort zu unterstützen. Die Schätzungen zu den Klimakosten liegen ein Vielfaches darüber. Aktuell, weniger als ein Jahr vor dem Ablauf dieser Frist, fließen jedoch weniger als 20 Prozent der internationalen Klimagelder in Projekte, die dazu beitragen, die Auswirkungen von Dürren, Wirbelstürmen und anderen extremen Wetterereignissen zu minimieren. Humanitäre Hilfe bleibt die kostspielige Alternative – und auch sie bekommt immer nur dann ausreichend Gelder zur Verfügung, wenn es die entsprechenden Fernsehbilder gibt.

Während große Stürme wie „Idai“ weltweit Aufmerksamkeit erregen, dürfen wir auch solche Krisen nicht vergessen, die sich schleichend ausbreiten. Was ist es für eine grausame Ironie, dass Regionen in Simbabwe bereits vor dem Sturm von einer anhaltenden Dürre betroffen waren. Die Überflutungen haben die katastrophale Situation noch schlimmer gemacht. Die ohnehin geringen Ernten sind jetzt mit großer Sicherheit verloren. Und das alles nach heftigen Dürrejahren in dieser Region infolge des „El Nino“-Phänomens 2015 und 2016.

Die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg sagt es klar und deutlich: „Ich will, dass ihr handelt, als wenn euer Haus brennt, denn das tut es.“ Das ist die neue Normalität. Unser Haus brennt. Der Klimawandel und seine Auswirkungen werden immer deutlicher. Wir müssen mit häufiger auftretenden Unwettern rechnen, die die am wenigsten dafür gerüsteten Regionen der Welt verwüsten. Vor allem tiefgelegene Gebiete müssen auf den steigenden Meeresspiegel, mehr Regen und stärkere Stürme vorbereitet werden.

Wir sind die erste Generation, die die Auswirkungen des Klimawandels spürt – und die letzte, die etwas dagegen unternehmen kann. Zyklon „Idai“ ist nur eine weitere düstere Erinnerung daran, dass wir dringend aktiv werden müssen, global und in Deutschland, um den Klimawandel jetzt schnell und wirkungsvoll zu begrenzen.

Sven Harmeling ist Klimaexperte der Hilfsorganisation Care.

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