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Die Spuren der deutsch-deutschen Grenze mögen verwittern, viele Vorurteile bleiben. 

Kommentar

Und jetzt die Mauer in uns

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Die Mauer aus Beton in Deutschland ist gefallen, aber die Vorurteile und Ausgrenzung anderer Menschen ist immer noch Alltag. Der Kommentar.

Bei der Gedenkfeier zum Mauerfall am Wochenende trug Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Gedicht des Lyrikers Reiner Kunze über die Mauer vor: „Als wir sie schleiften, ahnten wir nicht, wie hoch sie ist in uns.“ Und Bundespräsident Steinmeier sprach vor dem Brandenburger Tor von den neuen Mauern, die nicht eine Diktatur gegen ihr Volk baut, sondern die wir zwischen uns errichten.

Während in Berlin Zehntausende feierten, stellten sich in Bielefeld Tausende gegen Neonazis, die ausgerechnet an diesem Tag für eine Holocaust-Leugnerin demonstrierten. Am 9. November, der auch der Tag der brennenden Synagogen ist. Das darf nie vergessen werden. Denn es gibt noch immer die Mauer des Hasses in Deutschland.

Erst einen Monat ist es her, da wurde dieser Hass tödlich. In Halle starben zwei Menschen durch Kugeln eines Hassverbrechers. Er wollte nicht nur zwei töten, sondern Dutzende – die gesamte jüdische Gemeinde der Stadt. Noch am selben Abend standen aber Hunderte Menschen auf dem Marktplatz von Halle. Mit Kerzen, wie ihre Vorgänger im Herbst 1989. Sie standen still dort, sichtlich mitgenommen durch den Schrecken des Tages. Aber sie zeigten auch: Der Hass wird nicht gewinnen, auch die Mauer in uns wird fallen.

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