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Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder geht in der Corona-Krise als Alles-Checker durch.

Brachialrhetoriker

Markus Söder als Alles-Checker in der Corona-Krise – absolut gruselig

In der Corona-Krise zeigen die Alles-Checker, was sie so drauf haben. Markus Söder fällt diesbezüglich besonders auf. Aber gleich Kanzlerkandidat? Die Kolumne.

Seit Wochen ist Markus Söder ganz in seinem Element. Der Mann der Stunde mag das größte aller globalen Probleme noch nicht gänzlich im Griff haben, doch der Weg dorthin scheint geebnet. Keiner ist fokussierter als der bayrische Ministerpräsident.

Markus Söder, der Corona-Bekämpfer

„Corona ist kein Gewitter, Corona bleibt“, weiß Söder, der Staatsmann, dessen Licht aktuell keine politische Konkurrenz zu verdunkeln vermag. Wenn er den Maskenzwang – bevorzugt in blau-weiß – dem, nein, seinem Volk erklärt, geht er beinahe väterlich ins Detail: Ein Schal würde der Sache Genüge tun, Hauptsache Mund und Nase seien bedeckt. Der NRW-Kollege Armin Laschet hatte sich diesbezüglich ordentlich blamiert und die Nase tatsächlich ausgespart. So etwas würde einem Markus Söder, dem „Virusbekämpfer Nr. 1“ (taz), niemals passieren.

Entsprechend fliegen ihm die Herzen zu. 94 Prozent der Bayerinnen und Bayern sind laut Umfrage aktuell mit ihrem Ministerpräsidenten zufrieden. Dabei hatte der am 15. März die bayrischen Kommunalwahlen durchführen lassen, obwohl Großveranstaltungen und offene Schulen längst auf dem Index standen. Zentral „mit 5000 Leuten“ (BR) seien die Stimmen ausgezählt und Lehrer teils zwangsrekrutiert worden.

Corona-Krise: Kann Markus Söder Kanzler? 

Die Inkonsequenz des eigenen politischen Handelns hat sich jedoch schon oft mit Durchhalteparolen zukleistern lassen. „Wir dürfen nicht nachlassen. Wir werden Bayern weiter mit Ruhe, Vorsicht und Geduld beschützen“, heißt es etwa auf Söders Twitter-Account. Spätestens jetzt hat er sie alle. Er, der die schützende Hand über die Schäfchen seines Freistaates legt, während all die anderen führungslos verlottern. Da pfeifen es nicht nur die Frankfurter Tauben von den maroden Dächern: Markus Söder kann Kanzler.

Wirklich? Dass sich in Krisen Menschen nach Führung sehnen, geschenkt. Aber muss es ausgerechnet ein reaktionärer Franke sein, der sich an Fasching als Punk verkleidet? Auf Twitter von einer „Innovationsprämie für moderne Motoren“ träumt und sich in diesem Zusammenhang brav bei BMW bedankt, nachdem der Konzern Handschuhe und medizinische Masken gespendet hat?

Brachialrhetoriker Markus Söder

Überhaupt lohnt eine kleine Retrospektive, nicht dass die ein oder andere Anekdote vor lauter Corona-Krise in Vergessenheit gerät. Wer erinnert sich noch an den sagenhaften Söderschen „Kreuzerlass“? Dass in sämtlichen bayerischen Behörden auf Anweisung von „oben“ ein Kruzifix hängt, hat nicht etwa Söders Vorgänger Franz Josef Strauß verbrochen. Oder an Söders Raumfahrtplan „Bavaria One“ für schlappe 700 Millionen Euro? Das Logo mit seinem Konterfei ist ein Meilenstein in Sachen Personenkult.

Die Pläne, Migrantenkinder separat von den Hildas und Antons in eigenen Klassen zu unterrichten, zeigt Söders eher derbe Seite in Sachen Flucht und Zuwanderung. Viel zitiert ist auch der „Asyl-Tourismus“, mit dem er zynisch Menschen auf der Flucht delegitimierte. Und wer meint, mit „Schutzzonen in Afrika“ eine humanistische Perspektive zu liefern, dem scheinen diejenigen, um die es geht, schlicht egal zu sein.

Markus Söder geht in der Corona-Krise als Alles-Checker durch

Zumindest sind sie für seinen politischen Machtzuwachs nicht förderlich, im Gegensatz eben zu all jenen, denen er sich als Godfather andienen kann. Als einer, der so einem popligen Virus schon zu zeigen vermag, was eine Harke ist.

Dass Markus Söder aktuell als Alles-Checker durchgeht, der eigentlich mit seiner Brachialrhetorik jedes Wässerchen trübt, ist sehr gruselig. Aber das ist die Corona-Krise ja ohnehin.

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