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Zuwanderung von Fachkräften ist notwendig.

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Marketing ist nicht genug

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Deutschlands Einwanderungssystem leidet immer noch an den Jahrzehnten der Selbstverleugnung und der daraus folgenden mangelnden Trennung zwischen Flucht- und Arbeitsmigration. Ein Kommentar.

Deutschland? Für internationale Spezialisten und Fachkräfte gibt es bessere Länder. Länder, in denen sie willkommen sind, in denen ihre Abschlüsse anerkannt werden. Länder, in denen die Bürokratie nicht dafür gemacht wurde, zu verhindern, sondern zu ermöglichen. Zu dieser Einschätzung kommen seit Jahren alle Experten, die Deutschlands Anziehungskraft untersuchen.

Auch der Fachkräftegipfel bei der Bundeskanzlerin hat die Grundprobleme nicht gelöst. In der gemeinsamen Absichtserklärung ist von einer „Anwerbeoffensive“ die Rede, als würde Deutschland sich einfach nur zu schlecht vermarkten. Dass es um die Bedingungen selbst gehen könnte, scheint den Regierungsspitzen dabei nicht ganz klar zu sein. Ein Blick in andere Einwanderungsländer würde da helfen. In Norwegen wird in einem Turbo-Verfahren geprüft, ob die erworbene Qualifikation zum Berufsprofil passt. In Kanada wird bei Hochqualifizierten die ganze Familie nicht nur mit Visa versehen, sondern passgenau betreut – Arbeitsmöglichkeiten für den Partner, schulische Anerkennung für die Kinder inklusive.

Deutschlands Einwanderungssystem leidet immer noch an den Jahrzehnten der Selbstverleugnung und der daraus folgenden mangelnden Trennung zwischen Flucht- und Arbeitsmigration. Das ändert sich erst langsam.

Doch ein Gutes gibt es: Der Wandel ist in Deutschland angekommen. Im Kriterium Vielfalt schneiden andere Länder schlechter ab – Alltagsrassismus gibt es leider überall. Für Deutschland kann das nur bedeuten, hier nicht nachzulassen und keine Diskriminierung zuzulassen. Ein friedliches Miteinander ist ein Standortfaktor. Vielleicht der wichtigste.

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