Mögliche Präsidentschaftskandidatin: Margot Käßmann.
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Mögliche Präsidentschaftskandidatin: Margot Käßmann.

Gauck-Nachfolge

Margot Käßmann als Bundespräsidentin?

  • Markus Decker
    vonMarkus Decker
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SPD-Chef Sigmar Gabriel hat die evangelische Kirchenfrau Margot Käßmann offenbar gefragt, ob sie Gauck-Nachfolgerin werden will. Sie hat das offengelassen. Das lässt Spekulationen ins Kraut schießen.

Die Meldung überrascht. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel habe Margot Käßmann gefragt, ob sie Bundespräsidentin werden wolle, berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland habe offengelassen, ob sie zur Verfügung stünde. Das heißt wohl: eher ja als nein. Wie auch immer: Eine Kandidatin Käßmann, die nur eine rot-rot-grüne Kandidatin sein könnte, würde vieles ändern.

Die 58-Jährige selbst, derzeit im Rahmen des Reformationsjubiläums als Lutherbotschafterin unterwegs, gilt den einen als Lichtgestalt, den anderen als Nervensäge. Beides vielleicht nicht ganz ohne Grund. Sie hat intellektuelles Format, ist mutig etwa gegen den Afghanistan-Krieg aufgetreten und hat Integrität bewiesen, als sie in Folge einer Alkoholfahrt umstandslos von ihrem Amt zurücktrat. Repräsentieren kann sie ebenfalls. Käßmann passt überdies recht gut ins rot-rot-grüne Beuteschema: links, weiblich und noch vergleichsweise jung. Nur ist sie halt ziemlich pastoral, pastoraler als Amtsinhaber Joachim Gauck zumindest. Und ob sie das Land zusammenführen könnte? Daran kann man Zweifel haben.

Entscheidend wäre, dass SPD, Grüne und Linke tatsächlich gemeinsame Sache machen würden. Die letzten Meldungen liefen ja darauf hinaus, dass Union und SPD das nächste Staatsoberhaupt allein auswählen. Ohnehin, so heißt es, spiele die SPD die rot-rot-grüne Karte lediglich, um vor der Bundestagswahl 2017 überhaupt irgendeine Machtoption vorweisen zu können und damit für Wähler attraktiv zu erscheinen. Würde Gabriel Käßmann vorschlagen, würde er damit auf einen Schlag beweisen, dass er es ernst meint.

Dass es nach jetzigem Stand tatsächlich so kommt, bleibt eher unwahrscheinlich. Ein Grund dafür ist, dass Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) einen Lagerwahlkampf fürchtet und deshalb die Linke klein halten will; an Rhein und Ruhr wird im Mai gewählt. Aber man wird sehen. Die Bundesversammlung tritt im Februar zusammen. Damit müssten die Würfel vor Weihnachten gefallen sein. Viel Zeit bleibt nicht mehr.

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