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Hochgereckte Faust: Margot Honecker im Jahr 2008 in Santiago de Chile bei einer Feier zum Jahrestag der sandinistischen Revolution in Nicaragua.
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Hochgereckte Faust: Margot Honecker im Jahr 2008 in Santiago de Chile bei einer Feier zum Jahrestag der sandinistischen Revolution in Nicaragua.

Presseschau

Margot Honeckers Unbelehrbarkeit

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Betonköpfige Realitätsferne: Die Nachrufer auf Margot Honecker tun sich schwer mit der Tatsache, dass die Ex-Ministerin für Volksbildung und einst mächtigste Frau der DDR bis zum Schluss das menschenfeindliche System verteidigte.

Ding, Dong! The witch is dead.“ (Die Hexe ist tot.) So eröffnete Jens Bisky in der ?Süddeutschen Zeitung? seine Überlegungen zum Tod von Margot Honecker. Die Reue ließ nicht lange auf sich warten. „Kaum hatte man es gedacht, folgte Scham: So kaltherzig reagiert man nicht, wenn ein Mensch stirbt. Lässt sich Gutes sagen über die ewige Ministerin für Volksbildung der DDR?“

Bisky versucht es mit einer vorsichtigen Bilanz: „Das einheitliche sozialistische Bildungssystem durchzusetzen und am Leben zu erhalten, bis die Mehrheit der DDR-Bürger es nicht länger ertragen wollte und von sozialistischen Schulen kaum anders als verachtend und hassend gesprochen wurde, das war die Lebensleistung Margot Honeckers. Welche Bedeutung der ‚Volksbildung‘ in der DDR zukam, scheint der gesamtdeutschen Öffentlichkeit doch recht fremd geblieben zu sein. Deswegen wirkte Margot Honecker in den letzten zehn Jahren wie in den Schlagzeilen nach ihrem Tod wie eine bizarre Figur, mit auffallender Haarfärbung und kleiner Pistole in der Handtasche. Besonders bizarr aber wirkte, dass sie bis zum letzten Atemzug von der Richtigkeit ihres Tuns überzeugt blieb.“

Tilman Steffen versucht auf ?Zeit Online? zu erklären, wie sie in ihrer Rolle zu verharren vermochte. „Sie ließ sich als prominente Kommunistin von Nicaragua und Kuba hofieren. In einem Buch rechtfertigte sie die skandalöse Internierung von Jugendlichen in Jugendwerkhöfen, verhöhnte die traumatisierten Opfer als ‚Banditen‘. Den von ihr eingeführten Wehrkundeunterricht nannte sie für die Landesverteidigung unverzichtbar. Zeitlebens stritt sie dafür, die ‚historischen Erfahrungen des Sozialismus zu bewahren für ein besseres Morgen‘. Besichtigen lässt sich diese betonköpfige Realitätsferne eindrucksvoll in jener ARD-Dokumentation, die Margot Honecker in ihrem chilenischen Exil zeigt: Sogar wenige Jahre vor ihrem Krebstod am 6. Mai 2016 hielt sie unbelehrbar an ihrer sozialistischen Idee fest und verteidigte das menschenfeindliche DDR-Regime im Kreise Gleichgesinnter. Ein befremdliches, fast verstörendes Dokument.“

Im ?Neuen Deutschland? ist Gabriele Oertel versucht, eine abschließende Bilanz lieber der Geschichte zu überlassen. „Ein gerechtes Urteil über jene Frau, die das DDR-Bildungssystem mit all seinen international anerkannten Leistungen wie seinen herben Fehlleistungen über mehr als 25 Jahre dominierte, wird so nicht zu treffen sein. Was wann und warum auch mit Margot Honecker passiert ist, dass aus dem Aufbruch nach dem Zweiten Weltkrieg, Hoffnungen auf eine gerechtere Gesellschaft, Bildungschancen auch für einfache Leute jene ideologischen Grabenkämpfe, Gängeleien und Zwangsmaßnahmen entstanden, die viele DDR-Bürger Ende der 80er Jahre nicht mehr dulden wollten, wird die Historiker noch Jahrzehnte beschäftigen.“

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