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Zahlreiche Fahrzeuge der Bundeswehr sind nicht einsatzbereit (Symbolbild).

Bundeswehr

Desaströse Mangelwirtschaft bei der Bundeswehr

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Nicht einsatzbereite Fahrzeuge, mangelhafte Ausrüstung, fehlendes Personal: Bei der Bundeswehr herrscht ein riesiges Desaster. Der Leitartikel.

Wie konnte es zu diesem teils desaströsen Zustand der Bundeswehr kommen? Es ist nicht die einzige Frage, die sich stellt, nachdem der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels berichtete. Sicher, nicht alles ist neu. Aber so schonungslos, so deutlich und ausführlich hat bislang kaum jemand die Mangelwirtschaft Bundeswehr beschrieben.

Es kann jedenfalls keiner mehr sagen, er habe von all dem nichts gewusst. Man fragt sich unwillkürlich, wie Soldatinnen und Soldaten täglich mit all den Problemen fertigwerden und wie sie die gefährlichen Auslandseinsätze etwa in Afghanistan oder Mali leisten können.

Unsichere Fahrzeuge im Einsatzgebiet 

Denn die Armee kann die Uniformierten im Einsatzgebiet nicht immer in sicheren Fahrzeugen transportieren. Die Bundeswehr konnten nur durch einen Kraftakt an dem Nato-Manöver „Trident Juncture 2018“ teilnehmen, weil es in der Mangelwirtschaft bei Heer, Marine und Luftwaffe praktisch an allem fehlt, was gebraucht wird.

Und der Alltag der Soldatinnen und Soldaten ist von aberwitzigen Kapriolen geprägt. Für den Schützenpanzer Puma dürfen sie nicht zu groß sein, aber auch nicht zu klein. Sie warten bis zu drei Monaten auf eine neue Fliegerkombi. Diese Liste mit absurden Beispielen lässt sich beliebig lange fortsetzen.

Von der Leyen hat wenig erreicht

Verantwortlich für diesen Schlamassel ist qua Amt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Doch sie alleine an den Pranger zu stellen reicht bei weitem nicht, um den Augiasstall Bundeswehr auszumisten. Ministerin von der Leyen hat viel gewollt und bislang wenig erreicht. Doch trotz des millionenschweren Beraterskandals hat sie immerhin versucht, die Missstände zu analysieren und zu benennen.

Doch offensichtlich ist es ihr wie einigen ihrer Vorgänger nicht gelungen, die entscheidenden Führungskräfte für ihr Anliegen zu gewinnen. Und so bleibt das Ministerium bis auf weiteres intransparent und ineffizient.

Auch ist keine ihrer vollmundig angekündigten Trendwenden bislang gelungen. Weder beim sogenannten Großgerät. Noch immer schießen Panzer nicht, können Flugzeuge nicht abheben oder U-Boote auslaufen. Noch ist die Truppe wirklich familienfreundlicher geworden. 

Das „Bürokratiemonster“ lebt munter weiter 

Und ein nötiger Mentalitätswandel ist ebenfalls ausgeblieben. Lezterer ist nötig, um das „Bürokratiemonster“ zu besiegen. Erst wenn viele unsinnige Regeln beseitigt sind, werden kräftezehrende Schildbürgerstreiche ausbleiben. Es wird dann keine leeren Übungshäuser mehr geben für den Ortskampf mit maximal sechs Geschossen, weil sonst Aufzüge eingebaut werden müssten. Dann wären nicht zwölf Dienststellen dafür zuständig, die alten Kampfjets Tornado zu betreuen.

Hilfreich wäre es auch, wenn die Verantwortlichen wie Generalinspekteur Eberhard Zorn endlich aufhörten, Missstände zu verharmlosen. Wenn die Zahlen eindeutig zeigen, dass der Armee der Nachwuchs fehlt und Tausende Dienstposten unbesetzt sind, dann sollte jemand wie Zorn nicht behaupten, es gäbe kein Problem, sondern selbiges benennen und Lösungen aufzeigen, um glaubwürdig zu bleiben.

Das Nachwuchsproblem haben in Teilen aber weder die Ministerin noch der Führungsstab der Armee zu verantworten. Als die schwarz-gelbe Regierung unter Federführung von Karl-Theodor zu Guttenberg die Wehrpflicht 2011 aussetzte und de facto abschaffte, nahmen sie der Armee damit die Möglichkeit, relativ leicht den Nachwuchs zu rekrutieren. Zugleich tat das damalige Kabinett unter der heutigen Kanzlerin Angela Merkel so, als ob die Bundeswehr ein Arbeitgeber sei wie jeder andere. 

Häufige Strategiewechsel sorgen für Probleme  

Auch die Folgen des häufigen Strategiewechsels der Verteidigungspolitik in den vergangenen Jahren kann man nicht der aktuellen Führung alleine anlasten. Es ist eben eine Herausforderung, wenn man die Armee beispielsweise in den 2000er Jahren zu einer Wehr für Auslandseinsätze umbaut und Tausende Panzer einmottet, nur um sie wenig später für den Einsatz im Baltikum aus den Schuppen zu holen.

Alles in allem wird deutlich: Es gibt viele Ursachen für die Mangelwirtschaft Bundeswehr. Es gibt sogar Pläne und Geld, diese Nachteile zu beseitigen. Doch müssen sie mit Leben gefüllt werden, um den Veränderungsprozess zu beschleunigen. Nur dann werden nicht alle Wehrberichte bis 2031 so katastrophal ausfallen wie der aktuelle.

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