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Auslese

Der Mafia den Krieg erklärt

Papst Franziskus’ Auftritt in der Ndrangheta-Heimat: Bei einer Messe auf einem Platz im kalabrischen Cassano allo Ionio sagt er der Mafia den Kampf an.

Von Heinz Wewermann

Papst Franziskus ist ein Popstar gemeinschaftlicher Werte, und beinahe bei jedem seine Auftritte vermag er zu verblüffen. Bei einer Messe auf einem Platz im kalabrischen Cassano allo Ionio hat er nun am Samstag vor 200.000 Gläubigen der lokalen Mafia den Kampf erklärt. Jörg Bremer klärt in der „FAZ“ über deren kriminelle Strukturen auf. „In dieser Region Süditaliens ist die Ndrangheta zu Hause, deren Familien ein weltweites Netz des Verbrechens unterhalten – das Deutschland einschließt, wo 2007 im Mafiakrieg in Duisburg sechs Menschen erschossen wurden. Neben der Cosa Nostra aus Sizilien und der Camorra Neapels gilt die Ndrangheta als eine der mächtigsten Organisationen der Unterwelt. (...) Dieser Mafia hat der Papst den Krieg erklärt.“ Den Erfolg dieser Kampfansage bezweifelt Bremer aber. „Leider haben solche Auftritte wenig verändert. So bleibt zu wünschen, dass der Papst seiner Exkommunikationspredigt gegen die Mafia Taten folgen lässt – auch um seinen Priestern und Gemeinden in den Höllen der Mafia langfristig zu helfen.“

Michael Bock gibt sich da in der „Magdeburger Volksstimme“ optimistischer. „Viele Bosse einer angeblich ‚ehrenwerten Gesellschaft‘ empfinden sich als tief religiös. Sie sind jetzt geächtet. Die klaren Worte von Franziskus entlarven die Lüge einer gewalttätigen Organisation, die sich (welch ein Zynismus!) als Schützer der Armen und Schwachen zu zelebrieren versucht. Der Pontifex hat mit diesem Auftritt in der Höhle des Löwen erneut bewiesen, was er ist: ein furchtloser Mahner, der Verachtenswertes ächtet und Schützenswertes schützt.“

Tilmann Kleinjung erläutert auf tagesschau.de die Bedeutung der Strafe des Papstes. „Die Exkommunikation ist die schwerste Kirchenstrafe. Sie schließt den Exkommunizierten vom Empfang der Sakramente aus. Die Religion spielt im Leben der Ndrangheta eine wichtige Rolle. In vielen Ortschaften gibt es eine enge Verbindung zwischen der Kirchengemeinde und den Clans. Priester werden von Mafiosi als Zeremonienmeister missbraucht. Anti-Mafia-Autor Roberto Saviano sagt, die Predigt des Papstes in Kalabrien entlarve die Lüge der Mafia, die sich selbst als ‚ehrenwerte Gesellschaft‘ zelebriere, die die Armen und Schwachen verteidige. Jetzt müsse die Kirche konsequent sein und dürfe keine Spenden der Mafiosi annehmen. Priester, die allzu nah an der organisierten Kriminalität seien, müssten abgesetzt werden.“

Ganz ohne die Politik geht es aber nicht, findet Dominik Straub im „Tagesspiegel“. „Bei der Bekämpfung der Mafia, seit Jahrzehnten das zentrale Übel im armen Mezzogiorno, wäre die harte Hand des Staats erforderlich. Doch der zeigt sich chronisch zurückhaltend. Auch vom jungen Regierungschef Matteo Renzi, der bekanntlich das ganze Land umkrempeln will, hat man in Sachen Mafia noch wenig gehört. Er hat andere Prioritäten – wie alle vor ihm.“

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