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Die Atomenergie, hier ein Reaktor in Civeaux, ist ein weiteres Arbeitsfeld der Regierung Macron.

Französische Atommeiler

Macrons Revolution

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Frankreich stellt die Abschaltung von bis zu 17 AKW in Aussicht. Es geht um tausende Jobs - und den Abschied von einer Lebenslüge. Ein Kommentar.

Der neue französische Staatspräsident Emmanuel Macron hat seinen Landsleuten eine Revolution versprochen. Nach Lage der Dinge werden sie sie bekommen. Eine radikale Arbeitsmarktreform ist in Arbeit. Nun wendet sich die Regierung einem weiteren Feld zu, in dem die Beharrungskräfte mindestens genauso groß sind. Es geht um die Atomkraft. Man muss wissen, dass die Franzosen seit Jahrzehnten ein inniges Verhältnis zu dieser Technologie haben: Sie gilt als Ausweis französischer Ingenieurskunst. Und sie gaukelt Unabhängigkeit vor.

Am Montag stellte Umweltminister Nicolas Hulot in Aussicht, dass innerhalb der nächsten Jahre bis zu 17 von derzeit 58 aktiven AKW abgeschaltet werden könnten. Bis Mitte des kommenden Jahrzehnts will Frankreich den Nuklearanteil an der Stromproduktion von derzeit 75 auf 50 Prozent senken. Das Ziel hatte bereits die sozialistische Vorgängerregierung vorgegeben – und dann wenig unternommen.

Frankreich muss dringend Anschluss an die Energiewende finden. Die Atomkraft ist nicht nur gefährlich, sondern finanziell ein Fass ohne Boden. Der staatliche Stromkonzern EdF ist ein Sanierungsfall. Da erscheint es sinnvoller, einen Großteil der Anlagen vom Netz zu nehmen und das Geld in Erneuerbare zu stecken. Doch es gibt viele Widerstände zu überwinden. Es geht um Tausende Jobs in der Atomindustrie – und um den Abschied von einer Lebenslüge.

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