+
US-Präsident Donald Trump: spontanes Feuern für den Machterhalt.

Kolumne zu Donald Trump

Machos im Tierreich und außerhalb

  • schließen

Bei Gorillas und Wölfen muss sich das Alphatier noch das Vertrauen der Gruppe verdienen und mit echten Führungsqualitäten überzeugen. Spontanes Feuern ist unbekannt - die Kolumne.

So ein Macho hat es nicht leicht. Er muss einen Harem um sich scharen und zusammenhalten, Streit unter seinen Frauen schlichten, die Neckereien des Nachwuchses geduldig ertragen, für die Sicherheit aller sorgen. Dafür genießt er Privilegien und Macht. 

So sieht das bei den Gorillas aus. Der Silberrücken ist der unumschränkte Herrscher, zumindest auf den ersten Blick. Ganz anders bei den Bonobos, die früher Zwergschimpansen genannt wurden. Da ist das Matriarchat die Sozialordnung. Die wenigen erwachsenen Männer in einer Großfamilie haben wenig oder nichts zu melden. Sie dürfen – zwangsläufig – bei der Fortpflanzung mitmachen und werden von den Frauen vorgejagt, wenn Gefahr droht. Das war’s dann auch schon. Sogar der Status männlicher Jungtiere in der Gruppe hängt von der sozialen Stellung der Mutter ab. 

Eines aber ist bei diesen so gegensätzlichen Gesellschaftssystemen von Bonobos und Gorillas gleich: Ein Mann zeigt keine Schwäche, solange Leiden und Schmerzen sich irgendwie verbergen lassen. Macht der Silberrücken schlapp, löst ein kräftiger jüngerer Gorilla-Mann ihn ab. Ein altersschwacher Bonobo-Mann wird einfach ausrangiert und aus der Gruppe gejagt. Derart verstoßene alte Männer fristen ein kümmerliches Dasein, allein und dem Tod geweiht.

Da kann man froh sein, dass das bei uns, die wir mit den Menschenaffen so nahe verwandt sind, ganz anders organisiert ist. Schon die Grundmodelle Harem oder Matriarchat taugen ja nicht als Vorbilder für uns. Und auch mit Macht gehen wir anders um. Machtmensch ist ein gängiger Begriff, Machttier – nie gehört, höchstens Leittier. 

Im Tierreich wird und bleibt Leitwolf, Silberrücken, Anführerin einer Elefantenherde oder sonstiges Alphatier, wer sich das Vertrauen seiner Sozialgruppe verdient hat, weil er/sie umsichtig und erfahren ist und ständig mit Führungsqualitäten überzeugt. Durchorganisierte Apparate, die zum Machterhalt instrumentalisiert werden können, sind ebeno unbekannt wie Machterhalt durch spontanes, autoritäres Feuern von Gruppenmitgliedern. Gut, es gibt ja auch keine Außenminister, Geheimdienstchefs, Wirtschaftsberater, und im Tierreich wird zudem nicht getwittert. 

Zuschreibungen aus dem Tierreich für unsere Mitmenschen gehen allzu oft ins Leere, weil sie auf der falschen Interpretation tierischer Verhaltensweisen und Eigenschaften beruhen.

Rabenmutter, Faultier, Dreckschwein, Angsthase…, es ist eine endlose Liste von Unterstellungen und Fehlannahmen. Der Elefant im Porzellanladen immerhin ist ein eingängiges und treffendes Bild, auch wenn ein solches Ereignis historisch nicht verbürgt ist, genau so wenig wie die sich übergebenden Pferde vor der Apotheke. 

Der von aller Welt missverstandene Gorilla-Mann King Kong hatte keine Macht, sondern Panik, und ihm blieb nur die Flucht auf das Empire State Building. Und auch besagter Elefant ist vermutlich, ohne Eigenverschulden und hilflos, in eine völlig falsche Umgebung geraten. Missverständnisse und Ungerechtigkeiten prägen das Bild beim Vergleich von Tier und Mensch.

Kaum vorstellbar, dass sich einer aus dem Menschenreich freiwillig und mutwillig so aufführt wie dieser arme desorientierte und obendrein deplatzierte Elefant. Oder kennen Sie etwa jemanden?

Manfred Niekisch ist Biologe und war Zoodirektor in Frankfurt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare