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Lustig ist schwer

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Von: Michael Herl

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Unser Kolumnist Michael Herl hat ein neues Geschäftsmodell aufgetan: Geld gegen Verspätung. Große Verdienstmöglichkeiten tun sich am Flughafen auf, in der Politik – oder bei der Deutschen Bahn.
Unser Kolumnist Michael Herl hat ein neues Geschäftsmodell aufgetan: Geld gegen Verspätung. Große Verdienstmöglichkeiten tun sich am Flughafen auf, in der Politik – oder bei der Deutschen Bahn. © Daniel Bockwoldt/dpa

Es ist nicht leicht, nur ein bisschen Quatsch machen zu wollen. Man landet immer bei den großen Themen dieser Zeit. Die Kolumne.

Eigentlich, dachte ich mir, wäre es in diesen absonnigen Zeiten angebracht, mal wieder etwas Leichtes zu schreiben. Etwas Unterhaltendes, Kurzweiliges, Aufmunterndes. Wie so oft, wenn ich so etwas suche, wurde ich beim Hessischen Rundfunk fündig, einer verlässlichen Adresse.

Ich stieß auf ein Thema, mit dem sich mein Wunsch gleich doppelt erfüllen lässt. Erstens kann ich mal den HR loben, das kommt selten genug vor. Dort aber läuft eine Sendereihe, die ich vorzüglich finde. „Mittendrin“ heißt sie und stellt Menschen vor, die auf dem Frankfurter Flughafen arbeiten.

Grandios gemacht, informativ und unterhaltsam. Die jüngste Folge führte mich zur zweiten Ungewöhnlichkeit, einem Lob dieses Airports, den ich ja eigentlich wie alle anderen auf der Welt für mittlerweile absolut überflüssig halte.

Man hat dort aber etwas Spannendes erfunden, nämlich eine Formel zur Umrechnung von Verspätungen in Geld. So sind sechzig Sekunden 1000-1700 Euro wert. Wie das geht? Ganz einfach. Mit jeder Minute, die ein Flieger zu spät andockt, wird dieses Sümmchen fällig.

Das brachte mich auf eine Geschäftsidee. Ich verfüge nämlich über jede Menge Verspätungen, von denen die meisten noch wie neu sind. Ich habe so viele, dass ich sie gelegentlich sogar zum Kofferraumservice des Wertstoffhofs bringe, wo man sie kostenlos abgeben kann.

Dort steht ein Container mit der Aufschrift „Zeit“, da kann man sie reinwerfen; auch ältere, die schon längst abgelaufen sind. Doch heutzutage kann man ja fast alles recyceln.

Nun keimt in mir der Verdacht, dass sich die Entsorgungsunternehmen mit den ganzen Verspätungen eine goldene Nase verdienen. Das kann ich auch. Ab sofort werde ich meine überflüssige Zeit den Airlines anbieten, dann müssen sie nicht die maßlos überteuerte bei der Fraport kaufen.

Und wenn meine Verspätungen aus sind, könnte ich welche dazukaufen. Nicht in Deutschland. Da ist das Angebot gering, denn Pünktlichkeit gilt hier als Tugend. In südlichen Ländern hingegen müssten Verspätungen für kleines Geld zu kriegen sein. Wenn Sie je mit italienischen Freunden in einer Bar verabredet waren, wissen Sie, wovon ich rede.

Allerdings braut sich gerade eine weitere Vermutung zusammen. Wenn ich schon mit meinem bisschen Zeit ein Vermögen machen kann – was spielt sich da erst auf großer Ebene ab? Bei den Big Playern?

Und schon habe ich einen neuen Ansatz für die Schwurbeltheoretiker: „Die da oben“ schieben Entscheidungen absichtlich auf die lange Bank und generieren dadurch ungeheure Mengen an Verspätungen. Die verkloppen sie dann über dunkle Kanäle und stecken sich dadurch Milliarden von Euro in die eigenen Taschen.

Das haben sie bei der Bekämpfung von Corona so gemacht, als sie den Virus erst nach langer Zeit bekämpften, ebenso beim Klimawandel, da man jahrzehntelang noch Abgase in die Luft blies, obwohl die Folgen längst bekannt waren, und bei Putin war es genauso. Denn dass dieser Mann Widerliches im Schilde führt, ist auch nicht erst seit vier Wochen bekannt.

Nur drei Beispiele von vielen – die allerdings auch zeigen, dass es gerade nicht so leicht ist, einfach nur ein bisschen Quatsch machen zu wollen. Denn wie man’s auch anstellt – man landet immer bei den großen Themen dieser Zeit.

Michael Herl ist Autor und Theatermacher.

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