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Hubert Burda mit Ehefrau Maria Furtwängler: „So was frägt man doch nicht!“
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Hubert Burda mit Ehefrau Maria Furtwängler: „So was frägt man doch nicht!“

Wulff-Prozess, Springer und Hoeneß

Lull und Lall

  • Bascha Mika
    VonBascha Mika
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Die Gleichheit vor dem Gesetz im Wulff-Prozess, die Kuschel-Journalisten im Springer-Verlag und Uli Hoeneß' Verfehlung als Zukunftswink, das alles zeigt vor allem: Deutschland ist am Ende des Jahres auf einem guten Weg - vielleicht. Eine Kolumne.

Wenn das Jahr seinem Ende zustrebt, wenn Dinge abgeschlossen werden und Platz für Neues entsteht, was ist dann schöner als die Gewissheit: Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran? Was ist erfreulicher als festzustellen, dass dieses Land auf einem guten Weg ist?

Nehmen wir nur mal die Medien, hier vor allem die bewundernswerte Entwicklung einiger Großjournalisten. Ob sie nun Stefan Aust, Georg Mascolo, Henryk M. Broder oder Matthias Matussek heißen. Alle vereint, dass sie mal beim „Spiegel“ waren und sich nun beim Springer-Konzern eingekuschelt haben. Was könnte die Öffentlichkeit Besseres brauchen, als derart geschmeidige Medienvertreter? Ohne Haltung, gar störende Überzeugung, dafür vorbildhaft wendig und anpassungswillig. Ist doch klar: Erst wenn die publizistische Lull- und Lall-Einheitsfront unter Springers Führung steht, hat der Journalismus hierzulande wieder Zukunft.

Nehmen wir mal das Selbstverständnis unserer Eliten, und sei es auch nur das der Geld- und Glamour-Prominenten. Da treten also im Prozess gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff die Zeugen Furtwängler und Burda auf. Die eine Schauspielerin, der andere ihr milliardenschwerer Verleger-Gatte. Herr Burda wähnt sich wohl im Kreis seiner Untergebenen und Frau Furtwängler bei der Bambi-Verleihung, als beide vor Gericht aussagen. Er zum Richter: „So was frägt man doch nicht!“ Sie zum Richter: „Das ist jetzt nicht Ihr Ernst!“ Lässt sich herzerfrischender demonstrieren, wie frei und gleich wir alle vor dem Gesetz sind?

CSU und Fußball

Nehmen wir mal die sozialen Verhältnisse und den Arbeitsmarkt. Großartig, was sich hier getan hat. Während viele europäische Länder ökonomisch abschmierten, kann Deutschland mit einem Jobwunder prahlen. Schon sehr lange gab es nicht mehr so viele Menschen, die einen Job haben.

Okay, viele arbeiten zwar für so wenig Geld, dass sie davon weder leben noch sterben können. Mag auch sein, dass dadurch immer mehr fürchten müssen, dauerhaft in Armut zu landen. Und sicher ist es bedauerlich, dass, wer arm ist, auch einige Jahre früher ins Gras beißen muss, weil seine Lebenserwartung um bis zu elf Jahre geringer ist. Aber dafür gibt es doch auch eine hohe Zahl an Mitbürgern, die noch vor einigen Jahren reich waren und jetzt superreich sind. So was nennt man sozialen Ausgleich.

Nehmen wir mal die Bayern, das heißt CSU und Fußball. Mehr geht nimmer: nicht bei der Landtags-, nicht bei der Bundestagswahl und erst recht nicht im Koalitionsvertrag. Dazu das Triple des FC Bayern als Schmieröl fürs Volk: Deutscher Meister, Pokalsieger, Gewinner der Champions League. Na gut, der Präsident des Clubs und geständige Steuerbetrüger Uli Hoeneß ist vielleicht ein klitzekleiner Wermutstropfen in all dem grandiosen, freistaatlichen Vorwärtsdrang. Zeigt aber, wohin es in Zukunft gehen kann.

Hätten wir endlich einen bayerischen König, würde er herzerweichend öffentlich weinen, wenn er das Gemeinwohl mit Füßen getreten hat. Wir würden mitweinen, ihm jede Verfehlung nachsehen und uns endlich unsere tiefgreifende Sehnsucht erfüllen: ob armer Schlucker oder Millionär, ob oben oder unten, ob rechts oder links – wir sind doch alle nur ganz normale Menschen.

Bascha Mika ist Publizistin.

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