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Lorbeeren der Vergangenheit

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Außer in Namibia herrschen auch in Südafrika, in Angola, Mosambik oder Simbabwe noch immer die Guerillakämpfer, die einst ihre Heimat aus dem Joch der Kolonialisten befreiten.

Was muss eine ehemalige Befreiungsbewegung im Südlichen Afrika eigentlich tun, um nicht wieder gewählt zu werden? Sie kann, wie jetzt in Namibia, den Fischreichtum des Landes gegen Schmiergeld verscherbeln, den Staat jahrelang in einer Rezession dümpeln lassen und nichts für die Verbesserung des Schicksals der verarmten Bevölkerung tun. Trotzdem wird sie mit satter Mehrheit wieder gewählt. Das ist außer in Namibia auch in Südafrika, in Angola, Mosambik oder Simbabwe der Fall: Überall herrschen noch immer die Guerillakämpfer, die einst ihre Heimat aus dem Joch der Kolonialisten befreiten – danach allerdings nichts, das Falsche oder zu wenig für ihre befreiten Landsleute taten. Und trotzdem werden sie wieder gewählt, eins ums andere Mal.

Experten erklären das Phänomen mit dem Begriff der „Identitäts-Politik“. Die Bevölkerung hat sich während des Jahrzehnte langen Befreiungskampfs dermaßen mit ihren Helden identifiziert, dass sie diese so schnell nicht im Stich lassen: Sie sehen ihnen Unvermögen, Fehler und sogar Selbstbereicherung nach. Solange es der Kerl von der eigenen Mannschaft ist, der den Mist anrichtet. Das ging für die Swapo, den ANC oder die Frelimo bis heute gut. Doch irgendwann – wetten? – verdampft auch der hartnäckigste Stallgeruch.

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