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„One Love“-Verbot: Die Mafia gewinnt immer

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DFB-Kapitän Manuel Neuer wird nicht mit der Binde spielen. Foto: Christian Charisius/dpa.
DFB-Kapitän Manuel Neuer wird nicht mit der Binde spielen. Foto: Christian Charisius/dpa. © Christian Charisius/dpa.

Die Fifa geht auf Konfrontationskurs mit europäischen WM-Teilnehmern in Katar und beschließt Sanktionen für das Tragen der „One Love“-Binden. Ein unfassbarer Vorgang, kommentiert Heiko Ostendorp.

In diesen ersten WM-Tagen weiß man gar nicht, worüber man sich am meisten aufregen soll. Oder über wen. Bereits im Vorfeld war zu befürchten, dass die weltweite Fußball-Endrunde zu einer absurden und peinlichen Show verkommen wird. In einem Unrechtsstaat, der Menschenrechte mit Füßen tritt, der Homosexualität unter Strafe stellt und den Tod Tausender Gastarbeiter:innen in Kauf nimmt, wird ein Turnier veranstaltet, orchestriert von einem Fifa-Präsidenten namens Gianni Infantino, der in Katar wohnt. Am Montag hätte man die WM eigentlich wieder beenden müssen. Zumindest kann man sie nicht mehr ernst nehmen.

„Die Mafia gewinnt immer“, lautet eine Redewendung in Italien. Und genauso verhält es sich mit der Fifa, die sich erdreistete, mit sportlichen Sanktionen zu drohen, sollten die acht europäischen Kapitäne in Katar mit der One-Love-Binde für Diversität und gegen Rassismus auflaufen. Ein unfassbarer Vorgang.

Doch fast noch schlimmer als diese Entscheidung ist das Einknicken der Verbände vor dieser Erpressung, auch des DFB. Die Nationen verpassten damit eine Chance, Infantino und seiner korrupten Bande auf größtmöglicher Bühne geschlossen entgegenzutreten. Wie mutig war dagegen die iranische Mannschaft, die aus Protest gegen die Zustände im eigenen Land bei der Nationalhymne schwieg. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte eine deutliche Haltung angekündigt. Seine Worte waren nur leere Hülsen. Man wolle die Konfrontation nicht auf dem Rücken der Nationalspieler austragen, so die feige Begründung des Binden-Rückzugs. Manuel Neuer & Co. sind Teil des sportpolitischen Machtkampfs und können einem dabei nur leidtun. Denn der große Verlierer ist am Ende der gesamte Fußball.

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