Klimabrief

Lieber Robert Habeck, Sie stellen keine Alternative dar!

  • vonPaul Lindner
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Ein Klimabrief an den Grünen-Vorsitzenden.

Sollte ich besser schreiben: Lieber Kollege? So nennen Sie nämlich meinen tatsächlichen Kollegen Quang Paasch, der Sie während des ARD-Sommerinterviews für den grünen Kuschelkurs mit der Union kritisierte. Ihre Reaktion: ein Strohmann-Argument par excellence. Wähle man die SPD, bekäme man auch keinen vernünftigen Klimaschutz, so Ihre These, die Sie mit dem „verhunzten“ ersten Klimapaket zu belegen versuchten. Allerdings war es nicht Quang Paaschs Aussage, dass man lieber die SPD wählen solle.

Am Telefon schildert er mir noch einmal seine Kritik: Trotz der Überparteilichkeit der Fridays-for-Future-Bewegung lässt sich schwer leugnen, dass die Schulstreiks den Grünen zu ihren aktuellen Wahlergebnissen verhelfen. Viele junge Menschen schenken Ihnen ihr Vertrauen und setzen auch ihre Hoffnung in Sie. Doch stellen Sie mit ihrem aktuellen politischen Kurs keine Alternative dar, die eine lebenswerte Zukunft durch die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels sichern kann.

Eben jenes Ziel ist mit der Union als Koalitionspartner nicht einhaltbar, obwohl es für uns und die Menschen im globalen Süden von so existenzieller Bedeutung ist. Besonders bei dem Stichwort Klimagerechtigkeit wird diese Widersprüchlichkeit offenbar. Sie nehmen für sich in Anspruch, divers und weltoffen zu sein. Doch die Union steht für eine die Umwelt und den Menschen ausbeutende Wirtschaftspolitik zu Lasten des globalen Südens.

Daran wird auch kein Bundestagswahlkampf etwas ändern. Es ist nicht authentisch, wenn Sie eine Regierung mit der Union nicht ausschließen, da Sie sich auf Sachfragen konzentrieren wollen. Die Maßnahmen, welche für eine global gerechte Begrenzung der Klimakatastrophe auf 1,5 Grad nötig wären, stehen bei CDU und CSU gar nicht zur Debatte.

Ich selbst wohne im schwarz-grün regierten Hessen und weiß daher, wie sehr es einer solchen Regierung an ökologischen Prinzipien mangelt. Nicht nur der Ausbau des Frankfurter Flughafens, sondern auch die geplante Rodung des Dannenröder Waldes leisten der Klimakatastrophe erheblichen Vorschub.

Die Klimakatastrophe ist die größte Herausforderung unserer Zeit. Dementsprechend groß ist die Notwendigkeit eines nachhaltigen Handelns. Dabei können und werden wir uns nicht auf Selbstinszenierung und Machtpolitik verlassen. Es bedarf einer aufrechten und vor allem ausreichenden Klimapolitik. Also betreiben Sie bitte gerechte und wissenschaftlich fundierte Sachpolitik, ohne die Union, aber dafür mit der Jugend.

Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung.

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