1. Startseite
  2. Meinung

Lieber E-on-Konzern,

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Das Logo des Energiekonzerns Eon auf der Fassade der Unternehmenszentrale in Essen.
Das Logo des Energiekonzerns Eon auf der Fassade der Unternehmenszentrale in Essen. © Mona Wenisch/dpa

als Aktivistin muss ich mich oft anlügen lassen. Der Klimabrief von Magdalena.

Politikerinnen und Politiker erzählen, dass das, was sie gegen die Klimakrise tun, ausreicht. Erwachsene, die sagen, dass sich das schon regelt. Unterricht, der einem die Notwendigkeit von Braunkohle erklärt. Und dann gibt es euch.

Wenn man sich die harten Fakten anschaut, sind große fossile Konzerne wie eurer maßgeblich für die Klimakrise verantwortlich. Unter den größten CO2-Emittenten der Welt seid ihr ähnlich gut repräsentiert wie alte, weiße Männer mit Jurastudium im Vorstand der CDU.

Im Kern seid ihr immer schon so gewesen – Klimazerstörer eben. Aber als sich das öffentliche Bewusstsein in Sachen Klimakrise gebildet hat, musstet ihr etwas ändern, vor allem an eurem Image. Jetzt wollt ihr ein Teil der Lösung sein. Klimaneutral bis 2040! CO2 einsparen! Wenn ich auf eure Website gehe, ist der Slogan „Ökostrom für alle!“.

Leider zerscheppert dieses Image an der harten Realität. Letzte Woche ist ein Report vom New Climate Institute erschienen. Darin werden verschiedene Konzerne und ihre Versprechen in Sachen Klima genauer unter die Lupe genommen – ihr seid auch dabei. Das Fazit ist ernüchternd: Eure Transparenz ist niedrig. Glaubwürdigkeit: noch viel niedriger. Wie ihr eure Emissionen senken wollt: unklar.

Ihr werbt mit erneuerbaren Energien und Ökostrom. Woher der kommt, wie viel davon bis wann produziert werden soll, das bleibt auch offen.

2050 ist das Ziel, in allen Scores auf null zu gehen. Wie das passiert? Irrelevant. „Nature-based Solutions“ werden angepriesen. Euer Versprechen ist Paris, die Realität weit näher an der Krise als an ihrer Lösung – Greenwashing eben.

Aber die 1,5-Grad-Grenze lässt sich nicht wie eure Ziele durch gezieltes Marketing einhalten. Eure Emissionen sinken nicht, weil ihr es von euch behauptet. Wissenschaft kann man sich nicht schönrechnen.

Und ich schreibe euch, aber das Traurige ist ja, dass ihr kein tragischer Einzelfall seid. Wenn man sich alle Konzerne anschaut, die genau wie ihr immer von Nettonull sprechen, also 100 Prozent Emissions- reduktion bis 2050 in den meisten Fällen, dann liegt die Reduktion real bei circa 40 Prozent. Ich wünsche mir eine Welt, in der eure Ehrlichkeit eine gute Werbung wäre, in der ihr nicht lügen müsst, um auf der richtigen Seite zu stehen.

Vielleicht wäre das ja ein guter verspäteter Neujahrsvorsatz.

Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der „Fridays for Future“-Bewegung.

Auch interessant

Kommentare