Kolumne

Lieber Joschka, Scharpi und Bine!

Alle haben ein Recht auf Heim- und Wiederkehr. Aber man erschreckt sich doch zu Tode, wenn man sie erblickt.

Von Mely Kiyak

Er läuft wieder! Leute, Joschka läuft wieder! Schraubt die Gullideckel hoch und ruft es in jeden Kanal. Kritzelt es auf jede Wand, jeden Zaun, baut Papierflieger, lasst sie durch die Audimaxe aller Exzellenzuniversitäten segeln – er läuft wieder, halleluja, er läuft! Lange Zeit wusste ich nicht, was Jo-Jo-Effekt heißt, aber nun ist klar, Jo-Jo sagt man, wenn der Joschka kommt und geht und kommt ... Er selbst hält seine Lauferei für so mitteilungswürdig, weshalb er die Nachricht auf der Veranstaltung „Menschen in Europa“ verbreitete. Gastgeber ist das Weight Watchers unter den deutschen Zeitungen, die Passauer Neue Presse. Es gibt Menschen, die ihr Vorhaben, zum Beispiel das Abspecken, nur durchhalten, wenn sie es vorher überall herumerzählt haben. Die Angst vor der öffentlichen Schmach ist der Antrieb.

Diese Durchhaltestrategie unterstützend erlaube ich mir zu kommentieren: Hey Fischer, so ist das, wenn man voll arriviert ist, in Berlin Grunewald lebt und Geld wie Kacke hat – man droht fett, unansehnlich und kurzatmig zu werden, kann nur noch in Slipper reinschlüpfen, weil man sich beim Schnürsenkelbinden den Ischias einklemmen würde oder was sonst noch im Weg baumelt. Außerdem kriegt man die Stimme nur nach dem Quetschkommodenprinzip raus, den Ton gemeinsam mit Luft rauspressen! Also, schön dranbleiben! Durchhalten. Wird schon, good luck!

Was wir derzeit erleben, gab es in Deutschland schon einmal. Früher kehrten sie spindeldürr aus dem Osten zurück. Heute kehren sie moppselig aus dem Westen heim. Letzte Woche meldete sich einer mit viel Getöse und kleinen Fettpolstern zurück. Wie weiland: Man erschreckt sich zu Tode, wenn man sie erblickt.

Ich fürchte mich vor dem Moment, in dem Rudolf Scharping auftaucht. Noch betreibt er die Agentur „Rudolf Scharping – Strategie, Beratung, Kommunikation“. Zählten die in dem Boulevardblatt Bunte veröffentlichten Plantschbilder auch schon zur berühmten Scharping Strategie? Jedes Foto hat eine Botschaft. Die Botschaft damals hieß: „Ich bin nicht nur Verteidigungsminister, ich bin auch ein Liebender. Ich kann nicht nur bummbumm, sondern auch plumpsiplumpsi.“ Ich will das nicht werten. Sicher gibt es Männer, die ihre Liebste nicht durchs Wasser pürieren können. Ist Joschka in seinen Speckphasen zu ausgelassenem Badespaß mit Minu Barati in der Lage? Ich weiß es nicht. Das journalistische Ehrgefühl verbietet es, Gerüchte zu verbreiten.

Wenn alle ein Recht auf Heimkehr haben, manche im langen Lauf zu sich, andere vorerst gescheitert, dann Bine allemal, oder? Ich habe mal gegoogelt, was es Neues von Sabine Christiansen gibt. Und las „Die Liebe macht sie so schön“. Der Artikel („Die blonden Haare trägt sie halblang in sanften Wellen, ein freches Minikleid enthüllt ihren langen, schlanken Beine, doch ihr schönster Schmuck ist das zufriedene Lächeln auf ihren Gesicht.“) erschien in dem gleichen Blatt, das zu Scharpis Niedergang führte. Ich verstehe das nicht. Wo er doch gerade in den Plantschbeschreibungen – wie er seine Gräfin „zärtlich aus dem Pool hebt“ und „behutsam wieder auffängt“ – sehr gut wegkam.

Jetzt ist aber erstmal Joschka dran, damit er auch wieder lange, schlanke Beine bekommt und sein schönster Schmuck sein Lächeln ist. Ihre Mely Kiyak

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare