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Lieber Herr Wissing,

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„Die elektrische Antriebswende, ob mit Hybrid oder ohne, ist keine sozial-gerechte Entscheidung, sondern die Manifestierung des Status-quo.“
„Die elektrische Antriebswende, ob mit Hybrid oder ohne, ist keine sozial-gerechte Entscheidung, sondern die Manifestierung des Status-quo.“ © Bernd Thissen/dpa

frisch als Verkehrsminister vereidigt treten Sie direkt für die Antriebswende ein!

Ab jetzt sollen statt Verbrennern vor allem batterieelektrische Autos verkauft werden. Statt an verstaubten FDP-Ideologien festzuhalten, machen Sie progressive Ampel-Politik! Bei der Elektrifizierung der Autoflotte sind Sie sich anscheinend selbst aber noch nicht ganz sicher. Entweder soll sie nur aus batterieelektrischen Autos oder auch aus Hybriden bestehen und damit eventuell Teil ihres Ziels „15 Millionen E-Autos 2030“ sein. Statt nur mit Strom zu fahren, werden Hybridautos aber CO2 emittieren. Also alles nur eine grüne Scheinlösung?

Zwar führen E-Autos offensichtlich zu weniger CO2-Emissionen, trotzdem werden wir das 1,5-Grad- Ziel in dem Tempo nicht einhalten können – vor allem nicht, wenn als Hybridautos getarnte Verbrenner Teil der Rechnung sind. Außerdem ist der Individualverkehr nicht effizient, weil das (E-)Auto durchschnittlich 23 Stunden am Tag rumsteht und Platz verschwendet. Durch den Abbau von Lithium für die E-Auto- Batterien werden zudem Grundwasserreserven aufgebraucht, Landschaften vergiftet und Menschenrechtsverletzungen sowie Landraub an indigenen Gruppen begangen.

Eine Umstellung der Produktion alleine auf E-Autos hat keine Zukunftsperspektive. Durch Ihre Pläne wird es zu Massenentlassungen bei den Zulieferbetrieben kommen, und die Produktion wird an Niedriglohnstandorte ausgelagert. Statt die fossile Autoindustrie zu elektrifizieren, um den Schein eines zukunfts- fähigen Autokapitalismus aufrechtzuerhalten, müssten wir jetzt eine sozial-ökologische Transformation umsetzten. Konkret heißt das: Zusätzlich zu (E-)Autos sollten vor allem Busse, Bahnen und grüne Infra- struktur produziert werden, und statt Beschäftigten vorzugaukeln, mit der alleinigen Umstellung auf E-Mobilität gibt es zukunftssichere Jobs in der Auto- industrie, sollten Hunderttausende Jobs im Bereich ÖPNV entstehen.

Die elektrische Antriebswende, ob mit Hybrid oder ohne, ist keine sozial-gerechte Entscheidung, sondern die Manifestierung des Status-quo. Wir werden weiter für eine gerechte Mobilitätswende und ehrliche Zukunftsjobs für Beschäftigte im Verkehrssektor streiken, so viel ist klar!

Ihre Karla

Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der „Fridays for Future“-Bewegung.

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