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Eine der letzten Demonstrationen vor der Coronakrise: Fridays for Future in Hamburg. 

Ein Brief von Fridays for Future

Lieber Herr Tschentscher!

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Sie haben als Erster Bürgermeister von Hamburg gezeigt, wie Sie Krisenpolitik verstehen. Legen Sie diese Maßstäbe auch in den Koalitionsverhandlungen an - für nachfolgende Generationen.

Uns ist bewusst, dass die Corona-Krise alle vor Herausforderungen stellt. Als Erster Bürgermeister von Hamburg haben Sie mit Ihren Maßnahmen gezeigt, wie Sie in Krisen Politik machen können. Sie reden davon, dass wir uns in der Corona-Krise auf dünnem Eis befänden und wenig Spielraum hätten, und machen damit klar, wie Sie Krisenpolitik verstehen. Wir alle merken, dass Maßnahmen nicht kurzfristig sein dürfen, sondern präventiv funktionieren müssen.

Jetzt stehen die Koalitionsverhandlungen an, und es ist Ihre Aufgabe, dieses Maß anzulegen, wenn es darum geht, wie Hamburg in den nächsten fünf Jahren weitermacht. In Hamburg präventiv zu denken, wenn es um Hafen, Industrie und Wirtschaft geht. Und um in Hamburg konsequente Klimapolitik durchzusetzen, diese auch bundesweit einzufordern. Denn wenn Politik präventiv denken würde, wäre klar, dass dies die wichtigste Aufgabe des nächsten Jahrzehnts ist.

Annika Rittmann.

Auch für Fridays For Future bedeutet Corona alles andere als Normalität. Wir können nicht wie gewohnt Massen auf die Straßen bringen. Es bedeutet jedoch nicht, dass wir aufhören werden, über die Klimakrise zu reden. Es bedeutet nicht, dass die Ängste weg sind oder die Dystopien verschwinden.

Eine Freundin hat mich gefragt: „Ist es nicht frustrierend, dass ihr ein Jahr lang auf die Straße gegangen seid und jetzt alle nur noch über Corona reden?“ Für mich ist es das nicht, frustrierend. Aber es bereitet mir Sorgen und macht mir Angst, dass Menschen Klimaziele lockern wollen und Milliarden in die Hand nehmen, ohne diese Ausgaben an soziale-ökologische Bedingungen zu knüpfen.

Von einem Bekannten kam die Frage, was wir in dieser Zeit machen. Weiter! Wir machen weiter und tragen unsere Aktion ins Internet. Wir organisieren am 24.4. eine andere Art des Großstreiks – digital und analog. Von Kunstaktionen bis Streikkarte nutzen wir alle unsere Möglichkeiten, um weiter Druck zu machen.

Vielleicht fragen Sie sich, wieso wir auch in diesen Zeiten so penetrant weitermachen – wir müssen. Wenn alle Menschen über Corona reden, dann müssen wir weiter ungemütlich bleiben, damit klar wird, dass die Klimakrise nach wie vor existent ist. Und weil „Zurück zur Normalität“ nach Corona nicht bedeuten darf: zurück in die Klimakrise. Dafür streiken wir im Netz, denn wir sind uns unserer Verantwortung für andere Generationen bewusst. Seien Sie es auch.

Ihre Annika Rittmann

Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung.

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