Auch Männer in Nikolauskostümen würde Herr Thadeusz verbieten.... vor allem, wenn sie so geballt auftreten wie hier am Frankfurter Hauptbahnhof.
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Auch Männer in Nikolauskostümen würde Herr Thadeusz verbieten.... vor allem, wenn sie so geballt auftreten wie hier am Frankfurter Hauptbahnhof.

Kolumne

Lieber Herr Thadeusz,

was würden Sie denn gern mal verbieten?

Wenn ich verbieten dürfte, was ich will, würde die Welt ein dunkler Ort. Der „liebe Jörg“ wäre Geschichte. Was für ein Scheusal, würde es heißen. Wie Kim Jong Un aus dem Verbots-Musterstaat Nordkorea würde auch ich zu einem Mondgesicht des Grauens.

In einer ersten Verbotswelle würde ich Utensilien unter Strafe stellen, mit denen Egomanen zu viel öffentlichen Raum für sich in Anspruch nehmen. Also Snowboards, Liegeräder und Bier-Bikes aller Art. Nach der Ausrufung meiner „Ruhe geben“-Initiative werden Straßenmusiker tagsüber in komfortablen Reisebussen in verschiedene Gebiete Mecklenburg-Vorpommerns und Sachsens verbracht. Ihnen ist ihr Lärmen nur noch dort gestattet, wo sie das größtmögliche rechtsradikale Publikum verstören können.

Das Rauchverbot ist verboten. Ab sofort regeln die Besucher von Gaststätten untereinander, ob und wo geraucht werden darf. An Uneinsichtige, die das Verbot zurück haben wollen, werden Fibeln verteilt, in denen der Begriff „gesunder Menschenverstand“ erklärt ist.

Damit an meinen Sonntagen nichts mehr schief gehen kann, ist Feierabend für jede Art von Flohmarkt. Jongleure, Straßenclowns und Guck-mal-wie-toll-ich-stillhalten-kann-Pappnasen erhalten Platzverweise in allen Fußgängerzonen. Sie bekommen im Ausgleich lukrative Jobs in den Werken, in denen Fanartikel des FC Schalke 04 zu Katzenstreu geschreddert werden. Denn diese Artikel sind selbstverständlich verboten.

Männer mit hupenden Geweihen

Auftritte in deutschen Talkshows sind für folgende Individuen ab sofort ausgeschlossen: Nina Hagen, Peter Scholl-Latour, Don Jordan und Johannes Ponader. Die damit freiwerdende Redezeit wird Sahra Wagenknecht zugesprochen. Allerdings für ihre eigene Sendung, in der sie nur mit sich selbst spricht. Um sich immer wieder von der historischen Richtigkeit der kommunistischen Fantasie zu überzeugen.

Über Modeverbote würde ich mit Vertretern von Institutionen beraten, die über Jahrhunderte viel Erfahrung im Bereich der Unterdrückung und Unfreiheit gesammelt haben. Mit Erz-Katholiken, veganen Puritanern und anderen notorischen Spielverderbern lässt sich gewiss rasch eine Minimalkürze für Sommerröcke festlegen. Für Frauen sind außerdem folgende Kleidungsstücke verboten: Gummistiefel, Leggings, Indio-Mützen.

Männer, die mit leuchtenden Nikolausmützen oder hupenden Geweihen über Weihnachtsmärkte vagabundieren, sehen einer entbehrungsreichen Zukunft entgegen. Ebenso diejenigen, die kein passables Paar Lederschuhe und kein intaktes Oberhemd vorzeigen können. Sie sammeln ab sofort bei ihren Geschlechtsgenossen besprechbare Kopfhörer und alle Arten von Headsets ein, mit denen Wichtigtuer momentan ihre schlecht gelaunten Selbstgespräche führen.

Ich bin mit meiner Sehnsucht nach meinen eigenen starrsinnigen, intoleranten und rachsüchtigen Verboten bestimmt nicht allein. Jeder würde gerne mal untersagen, wo es lang geht. Ohne Zweifel ein Vorteil der Demokratie ist, dass wir uns vor dem Verbieten gegenseitig um Erlaubnis fragen müssen. Selbst wenn diese ewigen Diskussionen und Wahlen manchmal so nerven, dass sie eigentlich verboten gehören.

Jörg Thadeusz, RBB-Moderator.

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