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Kolumne

Lieber Herr Thadeusz!

  • VonJörg Thadeusz
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Bei wem wollen Sie sich denn entschuldigen?

Ich habe diskriminiert. In diesen Zeiten, so was müssen Sie sich mal vorstellen.

In einem Jahr, in dem besprochen und vor allem beschlossen worden ist, dass man zu einem Schnitzel nicht Zigeuner sagen darf. Ehe man es auf keinen Fall isst. Denn der gute Mensch ernährt sich ohne Fleisch. Dem Fleischfresser wächst irgendwann eine Schweinenase.

Mein Ausfall richtete sich allerdings nicht gegen die Essgewohnheiten einer bestimmten Gruppe von Menschen. Ich bleibe dabei, dass Vegetarier schlechte Liebhaber sein müssen. Ist aber auch keine wirkliche Diskriminierung, sondern höchstens eine etwas zugespitzte Wahrheit. Stattdessen habe ich die Dänen geschmäht.

Schwere Kindheit

Angetrieben von dem Bedürfnis unbedingt gefallen zu wollen, behauptete ich in meiner Fernsehsendung Dänemark sei langweilig und es gebe keinen Grund hinzufahren. Schon gar nicht, um dort Urlaub zu machen. Im Subtext ließ ich mitschwingen, die Dänen sollten sich mal gut durch den Kopf gehen lassen, ob sie unter den derzeitigen dänischen Bedingungen wirklich Dänen bleiben wollen.

Zu meiner Entschuldigung muss ich auf meine schwere Kindheit verweisen. Als ich knapp acht Jahre alt war, wurde ich von meinen Eltern in ein primitives Ferienhaus in Dänemark gezwungen. Die einzige Hafterleichterung war die Anwesenheit meines Bruders. Wir teilten uns die Holzhütte mit einem Ehepaar, das meinen Eltern flüchtig bekannt war. Diese Leute waren so geizig, dass von ihnen allein aus Kostenerwägungen eine latent kannibalistische Gefahr ausging. Stattdessen fraßen uns allerdings Ohrenkneifer bei lebendigem Leibe. Eine schreckliche Insekten-Plage, gegen die, jedenfalls in diesem Dänemark, kein Kraut gewachsen schien.

Nachdem die Erregung erloschen ist, sehe ich: Dänemark ist toll. Mindestens nicht weniger liebenswert als Lettland. Oder eines dieser Länder, in denen man sogar dann noch friert, wenn man schon tot ist. Da Grönland zu Nordamerika, aber auch zu Dänemark gehört, können sich die Dänen als Angehörige eines interkontinentalen Staates fühlen.

Däne, am liebsten

Wer mit der dänischen Königin Margarethe II. rauchen will, muss dazu niemals auf den Balkon. Denn sie hat es schon seit Jahrzehnten gern, wenn es schön qualmt. Unter einem Pseudonym hat sie die dänische Ausgabe des „Herrn der Ringe“ illustriert. Überall eindrucksvolle Frauen, in diesem Dänemark.

Wie die Regierungschefin Helle Thorning-Schmidt. Die Sozialdemokratin ist auch für ihre Eleganz berühmt. Welcher SPD-Politiker musste sich nach Gerhard Schröder dem Vorwurf aussetzen, gut gekleidet zu sein? In den letzten Wahlkampf zog Frau Thorning-Schmidt für ihre sozialdemokratische Partei mit dem Slogan: „Wir wählen Wohlstand“. Von einer derart lebensfrohen Formel hätten die deutschen Genossen aber abgeraten. Am Sonntag werden die Spitzen-Sozialdemokraten wieder gesichstälter, sie müssen das Ergebnis der Mitgliederbefragung erdulden.

Währenddessen feiert Helle Thorning-Schmidt ihren 46. Geburtstag. Guckt sich vielleicht das Foto an, das auf der Trauerfeier für Nelson Mandela von ihr und Barack Obama entstand. Der US-Präsident lacht neben der Schönen so befreit, als würde er in diesem Moment am liebsten Däne werden. Ein verständlicher Wunsch.

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