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Kolumne

Lieber Herr Thadeusz!

  • VonJörg Thadeusz
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Wer sind die Guten, wer sind die Bösen?

Ich soll die Welt nicht in Gut und Böse unterteilen. Was ich stattdessen soll, habe ich leider vergessen. Die Sozialkundelehrerin, die seinerzeit das Gut/Böse-Verbot erließ, ist mir allerdings noch in guter Erinnerung. Sie verfügte über die Gabe, in großen Zusammenhängen zu weinen. Wenn sie das Schicksal ganzer Ethnien traurig machte, ließ sie ihren Tränen freien Lauf. Wer da nur wegen einer Petra schluchzte und das auch noch heimlich, musste sich wie ein Würstchen fühlen.

Mittlerweile weiß ich, was sie damals bestimmt nicht meinte. Es gibt Schattierungen. Varianten von Gut und Böse. Schlimm gut ist es, wenn sich irgendein Schauspielermädchen zum Fleischverzicht bekennt und dabei in einer Talkshow einen Zusammenhang zum „Hunger in der Welt“ herstellt.

Es wäre selbstverständlich schön, wenn in der Nation der Audi-Fahrer nicht gerade am Essen gespart würde. Mir ist aber unmittelbar nach einer Separatorenfleisch-Bulette zumute, wenn eine Klapperdürre verlogen tremoliert. Nur damit sie bald die Hauptrolle in einem dieser verkrampften Filme bekommt, die die wichtigen deutschen Regisseure so gut können.

Gut-Sven meint es supergut

Es ist bestimmt gut, oder sogar supergut gemeint, wenn Sven Giegold von den Europa-Grünen morgens im Deutschlandfunk etwas Kapitalismuskritisches sagt. Nur verspüre ich sofort den Drang, mich bei der Familie eines Hedge-Fonds-Managers als Au-pair-Junge zu bewerben, wenn ich den Gut-Sven höre. Damit ich den Kindern dollargrünen Spinatsalat machen kann.

Zum Glück müssen wir in Deutschland nicht zwischen Gut und Böse entscheiden. Wir sind so gut, dass im Vergleich alle mindestens leicht böse erscheinen. Guido Westerwelle schließt eine deutsche Beteiligung an einem Syrien-Einsatz aus. Wie gut. Stattdessen setzt er im Namen der 80 Millionen deutschen Friedenstauben auf den UN-Sicherheitsrat. Dieses Organ, das die Russen und Chinesen längst sauber entzahnt haben. Nicht so gut. Aber auch nicht wirklich böse. Vielleicht ein wenig naiv. Also letztlich süß.

Deutsche Sozialdemokraten können sich freuen. Weil ihre Brüder im Geiste, die britischen Labour-Abgeordneten, den konservativen Premier Cameron lächerlich gemacht haben. Richtig gut. Kann der Peer bei diesem Duell am Sonntagabend bestimmt was draus basteln.

Wie in der Geschichte vom barmherzigen Samariter

Was war der evangelische Pfarrer in der Morgenandacht im Radio gut. Krieg ist böse und den armen Menschen in Syrien muss geholfen werden. Wie in der Geschichte vom barmherzigen Samariter. Verblüffend, oder? Ein beamtensicheres Einkommen bei der Kirche, immer recht haben und niemals selbst zwischen schlimm und ganz schlimm entscheiden müssen. Für nichts anderes die Verantwortung tragen als für die Politur der eigenen moralischen Lackierung. Das ist mindestens ein richtig guter Job.

Solange es keinen sinnvollen Plan gibt, sollte wohl niemand die ekelerregend Bösen in Damaskus angreifen. Aber selbst wenn es einen solchen Plan gäbe, könnten dann auch die Oberguten, also die Deutschen, von einem Engagement überzeugt werden? Deutschland, das viertreichste Land auf der Welt. Sobald es sich auf Gut und Böse verengt, möchten die Deutschen aber mit der Welt nichts mehr zu tun haben. Meiner Sozialkundelehrerin wird dieses Deutschland gefallen.

Jörg Thadeusz ist RBB-Moderator.

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