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Meinung

Lieber Herr Thadeusz!

  • VonJörg Thadeusz
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Wären Sie fit für den Promi-Container?

Das Milieu, in dem ich lebe, schreibt eigentlich vor, dass ich diese Big-Brother-Container-Sendung überhaupt nicht kennen darf. In meinem weiteren Bekanntenkreis ist jeder gut beraten, der sagt, er habe gar keinen Fernseher. Keine Ahnung warum so viele finden, dass sie das klug erscheinen lässt. Es ist jedenfalls viel schneller hingeplappert, als einem aus dem Stand ein tolles Gedicht einfällt.

Leider habe ich über diese TV-Inhaftierten bisher nur gelesen und Fotos angeguckt. Daraus konnte ich aber auch schon entnehmen, dass Ronald Barnabas Schill wohl mit seinen Liebhaber-Qualitäten prahlte. Eine Frau habe vor lauter Leidenschaft im Liebesspiel mit ihm einen Hörsturz erlitten, rühmte sich das Parade-Ekel. Sofort schmähte ich mich als Gänseblümchen-Romantiker. Denn ich war bisher immer der Meinung, dass sexuelle Begegnungen besonders dann gut gelaufen sind, wenn alle Beteiligten körperlich unversehrt bleiben.

Schill trat seinerzeit auch politisch dafür ein, dass anderen Menschen physisch geschadet wird. Eine der Forderungen seiner Partei war, dass Sexualstraftäter einer Kastration zustimmen müssen, ehe sie an Haftentlassung denken können. Eine der Forderungen, die 19,4 Prozent der Hamburger Wähler so gut fanden, dass sie am 23. September 2001 Schill wählten. Damals ist ihm die komplette Aufmerksamkeit des Politik-Journalismus sicher gewesen. Im Fernsehen analysierten Experten, was der Erfolg der Rechtsstaatlichen Offensive denn wohl demokratietheoretisch bedeute. Leider kam damals keiner auf den Gedanken, dass Schill-Wähler überdurchschnittlich oft von einem Hörsturz betroffen und deswegen durch dieses unangenehme Grundrauschen in ihrer Urteilsfähigkeit beeinträchtigt waren.

Ich fürchte, ich eigne mich nicht für diesen Container. Spätestens wenn ich Hubert Kah unter der Dusche sehe, wird mir klar, dass weder er noch ich für eine dieser Rasierklingen-Werbungen attraktiv duschen werden. Denn müde Haarige sehen auch nass erschütternd aus. Insbesondere mein Milieu der Nicht-Fernsehgucker und Etwas-zu viel-Wein-Verkoster setzt sich sofort in Bewegung, wenn Huberts Hit „Rosemarie“ läuft. Früher war das Tanzen. Der Ungeübtheit wegen ist es heute eher ein Hoppeln. Wir haben häufiger miterleben müssen, wie unsere Stars von damals nicht zu Legenden wuchsen, sondern zu Sorgenkindern avancierten.

Nina Hagen fantasiert öffentlich von astralen Begegnungen und Nena redet immer irgendwo etwas 14-jähriges. Mit mittlerweile 54. Warum hat denen denn nie einer gesagt, dass wir auch dann an sie denken, wenn sie uns ganz lange nicht persönlich erscheinen? Setzt Euch in Villen an einem schönen Meer. Aber nicht neben Oliver Geissen in eine der unzähligen Erinnerungsshows. Das gilt für Euch alle. Schauspieler, veronaartige Mediengeschöpfe, aber auch Supersportler mit Nachdenklichkeits-Marketing. Bleibt ein Geheimnis und seid damit echte Stars. Auf dem Boden bleiben, richtig gute Kumpels und total bescheiden sein, das kriegen wir alles auch ohne Euch hin.

Wir möchten träumen können, dass es Euer „oben“ wirklich gibt. Dabei ist selbstverständlich das „ganz unten“ dieses Containers sehr hinderlich.

Jörg Thadeusz ist Moderator.

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