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Kein Traumpaar mehr: Brad Pitt und Angelina Jolie.

Kolumne

Lieber Herr Thadeusz!

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Gibt es überhaupt noch richtige Traumpaare? Die Kolumne.

Zu einem Traumpaar gehören immer zwei. In den meisten Konstellationen also auch ein Mann. Wobei mir aus einer Liebesbeziehung zwischen zwei Frauen der niedrigschwelligste Trennungsgrund im Gedächtnis geblieben ist: Es nervt mich, wie sie beim Frühstück krümelt.

Wäre ich eine Frau, dann würde ich nicht ständig nach einem suchen, der äußerlich in der höchsten Schnuckelchenklasse unterwegs ist. Wie eben Brad Pitt. Aber er müsste so eigen sein, wie ich mir den echten William Bradley Pitt vorstelle. Kein unterspannter Star, der sich einfach nur zauberhaft betroffen für ein Spendensammelfoto knipsen lässt, nachdem New Orleans abgesoffen ist. Sondern einer, der – wie Pitt getan hat – hinfährt, um mit Architekten ein hurrikansicheres Günstighaus zu entwickeln. Und der die Häuser auch mit seinem Hollywood-Geld bezahlt.

Mein Mann sollte auch so souverän sein, wie Angelinas Ex. Der andere Oberschöne, George Clooney, hat in einem Interview erzählt, dass er immer wieder anderen Schauspielern schreibt und Nachhilfeunterricht anbietet. Allerdings steht auf eigens zu diesem Zweck hergestellten Briefpapier der Name von Brad Pitt. Die beiden sind wohl immer noch befreundet.

Aber wo ist der Mann mit bestimmten Eigenheiten, den ich brauche, damit ich mich zum Traumpaar vereinen kann? Öffentliche Männer scheinen sich vor allem vereinheitlichen zu wollen. Selbst im fünften Lebensjahrzehnt tragen sie Turnschuhe und hautenge Hosen, als würden sie sich zwischendurch immer noch im Glas des Uni-Cafeteria-Kaffeeautomaten das kecke Haar richten. Überall Bürschchen, die krampfhaft keine Herren werden wollen.

Sowohl Sportschau-Moderator Matthias Opdenhövel als auch Volle-Kanne-Zeremonienmeister Ingo Nommsen ist Gesichtshaar zugestoßen. Früher gab es wenigstens Schicksalsschläge, nach denen Männer Zuflucht im Bartgestrüpp suchen mussten. Männer mittleren Alters, die sich nur einem von Halbwüchsigen entwickelten Modediktat beugen, kommen in meiner Traumpartnerschaft nicht zum Zug.

Hier die Theorie, die Sie aber überall überprüfen können: Wirkliche Traumpaare verbergen sich hinter einer abweisenden Fassade. Am Anfang dieser Woche glaubte ich eine Situation zu beobachten, die auf eine noch abruptere Trennung als das Brangelina-Aus hindeutete. Eine wartende Gruppe Passagiere am Gepäckband eines Flughafens. Ein Mann, der persönlich gemeint ist, wenn es um Rentenerhöhungen geht, winkt seine Frau heran. Wie ein Schiedsrichter, der die Gelbe Karte zeigen möchte. Dann bedeutet er, sie solle auf seine Tasche aufpassen. Aber ein bisschen dalli, sagt der Gesichtsausdruck.

Als er von der Toilette zurückkehrt, vibriert mein innerer Schaulustiger vor Vorfreude. Jetzt sagt sie ihm ein paar Takte. Geigt ihm richtig die Meinung. Zumal sie zwischenzeitlich auch die große Tasche schon allein vom Band wuchten musste. Statt sich ihren Generalfeldmarschall von Gatten einmal richtig vorzuknöpfen, lächelt sie ihn an. Er lächelt zurück, zieht den Koffer auf die Rollen und greift nach ihrer Hand. Die beiden freuen sich offenbar auf irgendwas. Vielleicht aber auch nur darüber, dass sie sich gefunden haben. Um nach ganz eigenen Regeln ein Traumpaar sein zu können.

Jörg Thadeusz ist Moderator.

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