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Finanzminister Olaf Scholz (SPD) gibt ein Statement.

Klimabrief

Lieber Herr Scholz

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Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung. Heute: Was der Finanzminister aus seinem eigenen Kampf gegen Corona für die Klimakrise lernen könnte.

In Zeiten wie diesen tragen Sie als Finanzminister eine immense Verantwortung. Es ist sicherlich herausfordernd, Finanzpakete wie letzte Woche über 156 Milliarden Euro zu beschließen. Die Geschwindigkeit und Konsequenz, mit der Sie auf die Pandemie und die wirtschaftliche Krise reagieren, ist dabei lobenswert.

Helena Marschall.

Jeder und jede kann zurzeit sehen, wie solche Krisen das entschiedene Handeln von uns allen erfordern. So haben wir zum ersten Mal in eineinhalb Jahren Fridays-for-Future-Streiks abgesagt.

Um Tausende Arbeitsplätze und Unternehmen zu schützen, wurde letzte Woche ein erstes Hilfspaket beschlossen – weitere Unterstützung soll sinnvollerweise folgen. Für uns sind bedingungslose Wirtschaftshilfen aber ein zweischneidiges Schwert. Sie dürfen Ihre Milliarden nicht nur eindimensional ökonomisch betrachten. In Zeiten, in denen klimabedingte Hitzewellen auch in Deutschland erste Opfer fordern, können wir keine Entscheidungen treffen, ohne die Klimakrise mitzudenken.

Deshalb müssen die staatlichen Investitionen, die jetzt bereitgestellt werden, an sozial-ökologische Kriterien geknüpft werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass Ausgaben und Finanzspritzen der Bevölkerung nicht nur kurzfristig unter die Arme greifen, sondern auch die langfristigen Folgen mit in Betracht gezogen werden.

In diesen Tagen sprechen viele von einer Rückkehr zu einem Normalzustand nach Corona. Dieses „Normal“ bedeutet aber auch eine immer weiter voranschreitende Erderwärmung und deren Folgen wie Starkwetterereignisse . Kurz: Es gibt schon lange kein „Normal“ mehr.

Die täglichen Sorgen um unsere Zukunft werden nicht weggehen. Für uns war schon vor dem Coronavirus klar, dass wir alles Mögliche tun müssen, um die vielen Krisen, die unsere Generation bedrohen, zu bekämpfen.

Linus Steinmetz.

Es ist überhaupt keine Option, erstmal gegen Corona vorzugehen und danach wieder zum „business as usual“ zurückzukehren. Ihre jetzigen Entscheidungen gestalten direkt unsere Welt nach Corona, indem sie die Klimakrise entweder befeuern oder eindämmen.

Wir haben jetzt eine historische Chance, unsere Wirtschaft und Gesellschaft umzubauen. Zeigen Sie, wie die Bundesregierung Verantwortung in allen Krisen und für alle Betroffene übernehmen kann.

Freundliche Grüße

Helena Marschall und Linus Steinmetz

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