Klimabrief

Lieber Herr Laschet!

  • vonPaul Lindner
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Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung.

Am Dienstag haben Sie, Herr Laschet,  in einer Pressekonferenz zur Coronakrise bemerkt: „Es geht um Leben oder Tod.“ So einfach und so schlimm ist es. Sie haben die Notwendigkeit begründet, auf weite Teile des öffentlichen Lebens zu verzichten, damit die Verbreitung des Virus eingedämmt werden kann. Die Wissenschaft ist auf Ihrer Seite. Laut ihr befinden wir uns in einer globalen Krise. Und um deren Folgen zu begrenzen, reichen ein paar halbherzige Maßnahmen nicht aus. Es geht – so sagen Sie zurecht – um Solidarität mit den Risikogruppen.

Mir drängen sich die Parallelen zwischen der Corona- und der Klimakrise auf: In beiden Fällen geht es um reale Gefahren, von denen allerdings nicht alle Menschen in gleicher Weise betroffen sind. Der Unterschied: Beim Klima sind nicht die Alten, sondern die Jungen die Risikogruppe. Sie sind von den Konsequenzen des versäumten Handelns am stärksten betroffen.

Natürlich ist die Klimakrise deutlich langwieriger, wodurch auch der Klimaschutz deutlich teurer wird. Es wird nicht reichen, unseren Lebensstil für ein paar Monate auszusetzen. Wir werden ihn für immer verändern müssen. Doch proportional zu den Kosten des Klimaschutzes steigen auch die Folgekosten der Klimakrise. Man könnte sagen: Die Coronakrise ist eine Art Miniatur der Klima- krise. Bei Letzterer dauert ein Krisenstadium eben nicht ein paar Monate, sondern Jahrzehnte. Und die Opfer der Krise belaufen sich nicht auf Tausende, sondern auf Millionen. Doch der größte Unterschied besteht darin: Gegen die Coronakrise ziehen Entscheidungsträgerinnen und -träger wie Sie alle Register. Was richtig ist. Doch gegen die Klimakrise tun Sie viel zu wenig!

Sie sagen zurecht: In der Coronakrise sind Maßnahmen erforderlich, die Verzicht und wirtschaftliche Einbußen mit sich bringen. Doch sobald es um die Klimakrise geht, ist es mit der Entschlossenheit vorbei. Sie wollen einen Klimaschutz, der nicht an der Industrienation Deutschland rüttelt. Sie erteilen der sogenannten Verbotspolitik eine Absage. Wo bleibt hier das von ihnen gewünschte Primat der Wissenschaft? Geht es beim Klima etwa nicht um Leben oder Tod? Doch, geht es, sagt die Wissenschaft – jedoch nicht um das von heute über 59-Jährigen.

Am Ende dieses Jahres wollen Sie für den Vorsitz der CDU kandidieren. Betrachtet man ihre Kontrahenten, wird die christdemokratische Politik wohl so oder so eine Politik der Heuchelei und des Egoismus bleiben. Das ist traurig.

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