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Die Siemens-Hauptversammlung in München war von Protesten begleitet.

Klimabrief

Lieber Herr Kaeser,

Sie haben immer noch nicht verstanden, welche Verantwortung Sie als Siemens-Chef für die Klimakatastrophe tragen.

Wir sind bereit.“ Das sagten Sie mir am Mittwoch während der Siemens-Aktionärsversammlung in München, auf meine Frage, wann Ihre neue Tochterfirma, Siemens Energy, zu hundert Prozent auf erneuerbaren Energiequellen basieren würde. Aus der Antwort wird klar, dass Sie immer noch nicht verstanden haben, welche Verantwortung Sie und Siemens als Verursacher der bevorstehenden Klimakatastrophe tragen.

Helena Marschall

Wir lenkten jüngst immer wieder den Fokus auf Ihre Beteiligung an der australischen Adani-Mine. Aber im Kern geht es um mehr: Während Siemens keine Chance verpasst, sich als Klimaschutz-Konzern darzustellen, bröckelt Ihre Fassade täglich. Die Inszenierung zerscheppert an den realen, wirtschaftlichen Entscheidungen des Konzerns. Ein Konzern, der behauptet, das Pariser Abkommen zu unterstützen, ist gefordert jede Investition und jeden Vertrag auf das 1,5-Grad-Ziel hin zu prüfen. Alles andere ist Schönfärberei!

Während die Bundesregierung mit ihrem lächerlichen Klimapaket eine riesige Lücke hinterlässt, brauchen wir andere Akteure, die diese Lücke schließen. Was wir also brauchen sind Instanzen aus der Wirtschaft, die ihrer globalen Verantwortung gerecht werden.

Sollte sich Siemens als Innovator verstehen, dann muss der Konzern sich verändern und nicht warten, bis andere die ersten Schritte machen. Sie bewegen sich in denselben Mustern, die uns seit Ende 2018 auf die Straßen treiben. Wenn es über Ankündigungen zum Klimaschutz hinausgeht, und wenn harte Entscheidungen getroffen werden müssen, treffen Sie nach wie vor die falsche Wahl. Die Adani-Kohlemine in Australien ist nur die Spitze des Eisbergs, aber hier wird deutlich, welche Prioritäten Sie setzen.

Vorreiter und Gestalter müssen hinreichende Transformationspfade entwickeln. Nicht nur gegenüber den geschäftlichen Zielen, sondern auch gegenüber den Rahmenbedingungen. Diese sind etwa das Emissionsbudget von etwa 750 Gigatonnen weltweit. Damit müssen über 80 Prozent der bekannten Kohle, Öl und Gasvorkommen im Boden bleiben. Nur so kann das Pariser Abkommen eingehalten werden.

Ich fordere Sie also auf, nicht nur bereit zu sein, sondern die Last und die Verantwortung, die mit ihrem Millionengehalt einhergeht, zu übernehmen und sich auch für eine Zukunft nach ihrem Ableben einzusetzen. Noch haben Sie eine Chance – nutzen Sie diese.

Mit klimafreundlichen Grüßen,

Ihre Helena Marschall

Klimabriefe: Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung.

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