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Frauen sind meistens für die Nahrungsmittel- und Trinkwasserversorgung ihrer Familien zuständig.

Klimabrief

Lieber Herr Friedrich Merz,

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erst die Klimakrise und jetzt noch Feminismus.

Ja, Herr Merz, es ist nicht zu trennen. Fakt ist, dass Frauen unter der Klimakrise jetzt schon mehr leiden als Männer – und in Zukunft noch mehr, wenn wir es als Gesellschaft nicht schaffen, unser patriarchales System aufzubrechen. Sie leiden nicht, weil sie schwach sind. Nein, sie leiden, weil sie diskriminiert werden – durch Familie, Gesellschaft und Staat.

70 Prozent der Menschen unter der Armutsgrenze sind Frauen, wovon 90 Prozent unbezahlte Sorgearbeit für Alte, Kranke und Kinder leisten. Zudem sind sie meistens auch für die Nahrungsmittel- und Trinkwasserversorgung ihrer Familien zuständig. Trotzdem erschweren ihnen gesellschaftliche Strukturen Zugang zu Land, medizinischer Versorgung, Finanzierung, Bildung, Technologien und vor allem zur politischen Teilhabe. Dabei wären viele Probleme längst gelöst, dürften Frauen mitentscheiden. Die Unterrepräsentierung in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ist nicht nur ein Chancengleichheits-Thema und führt langfristig dazu, dass männliche Interessen in den Fokus rücken, sondern unterbindet auch vielfältige und gerechte Lösungsansätze – auch in Bezug auf die Klimakrise.

Dies gilt übrigens genauso für Deutschland, Eine Frau als Kanzlerin oder Generalsekretärin ist zwar schön, reicht aber lange nicht aus. Feminismus darf nicht Theorie bleiben, sondern muss praktisch umgesetzt werden! Wenn es nach Ihrem Abstimmungsverhalten im Bundestag ginge, wären Vergewaltigungen in der Ehe tolerierbar. Wissen Sie, was im globalen Süden aufgrund der kollabierenden Ökosysteme und verringerten Ressourcen mit Frauen passiert?

Um längere Wege zu Wasserquellen und die damit verbundene Zeit auszugleichen, werden Mädchen von Bildung ausgeschlossen. Sie geraten so in ein Abhängigkeitsverhältnis, welches nicht selten sexuelle Misshandlungen mit sich bringt. Nahrungsknappheit führt vermehrt zu Kinderehen, Zwangsprostitution und lässt Vergewaltigungen zur Regel werden. Diese Bedingungen zwingen Frauen zu migrieren, was weitere Gefahren birgt. Selbst wenn Frauen es schaffen, in Deutschland anzukommen, werden sie als Klima-Migrantinnen nicht anerkannt und haben keinen Anspruch auf Sozialversicherung oder auf ein Bleiberecht.

Wir leben in einer unfairen, globalen Welt, in der 78 Prozent der Emissionen durch die G20-Länder verursacht werden. Das muss sich jetzt ändern. Wenn nicht einmal wir es schaffen, unser eigenes Verschulden auszugleichen, indem wir Feminismus leben, Menschenrechte achten und Klima-Flüchtlinge aufnehmen: Wer soll dann für Gerechtigkeit sorgen?

Ihre Kira Geadah

Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung.

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