Die Danni kann als Meilenstein auf dem Weg zur nachhaltigen Mobilität in die Geschichte eingehen  – oder eben als vertane Chance.
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Die Danni kann als Meilenstein auf dem Weg zur nachhaltigen Mobilität in die Geschichte eingehen – oder eben als vertane Chance.

Mobilitätswende

Lieber Herr Al-Wazir,

Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung.

Sie als hessischer Verkehrsminister sind für die Zerstörung des Dannenröder Walds durch den Ausbau der Autobahn A49 mitverantwortlich. Dieser Wald ist ein gesunder Mischwald mit 300 Jahre alten Bäumen, ein Trinkwasserschutzgebiet und beherbergt vom Aussterben bedrohte Tierarten, wie Kammmolche.

Obwohl die Bundesregierung den Bauauftrag für die Autobahn gegeben hat, sind Sie als Teil der schwarz-grünen Landesregierung dafür verantwortlich die Pläne auszuführen. Mit der beginnenden Rodungssaison ab 1. Oktober vor Augen, liegt es jetzt an Ihnen, durch ein Moratorium einen Baustopp für die Autobahn zu erreichen – und Sie hätten damit die Chance, einen wichtigen Teil zur Mobilitätswende in Deutschland beizutragen und zu beweisen, dass die Grünen eine wählbare Partei in der Bundestagswahl 2021 wären.

40 Jahre gibt es Pläne für die Autobahn. 40 Jahre wurde sie nicht fertig gebaut, dank des unermüdlichen Protests von lokalen Bürgerinitiativen sowie der seit einem Jahr bestehenden Waldbesetzung. Die Gründe, die seit damals dagegen sprechen, reichen von nicht eingehaltenen Wasserrichtlinien bis hin zur Tatsache, dass mit dem nahegelegenen Herrenwald ein Flora-Fauna-Habitatgebiet gerodet werden würde. Erst am 23. Juni 2020 erlaubte das Bundesverwaltungsgericht den Weiterbau der Autobahn – und erkannte gleichzeitig an, dass diese Autobahn nach heutigem Recht niemals hätte gebaut werden dürfen.

Wem soll diese Autobahn am Ende etwas bringen? Es ist unklar, wie viel Entlastung die Autobahn letztlich Anwohner*innen, die an der Bundesstraße leben, erwirken wird. Im Gegenteil, es ist wahrscheinlich, dass sich der Verkehr in der Region deutlich erhöhen würde. Die Region würde leiden, weil viele dann lieber noch schnell nach Kassel fahren würden, anstatt ihre lokalen Geschäfte zu unterstützen.

Wer könnte noch durch die A49 profitieren? Etwa die Firma Ferrero in Stadtallendorf, welche ihre Produkte durch direkte Autobahnanbindung fünf Minuten schneller an ihre Kunden bringen kann? Sonderlich kinderlieb wirkt es nicht, in Zeiten von Hitzesommern, Dürrejahren und Waldsterben einen gesunden Mischwald zu roden. Klimaschutz sieht anders aus.

Der Danni ist nicht nur ein wunderschöner Wald, den es sich zu besuchen lohnt, er ist auch auf dem Weg ein Symbol zu werden: ein Symbol, das, ähnlich wie beim Hambi mit dem Kohleausstieg, zeigen wird, wie es um die Mobilitätswende in Deutschland steht. Ein Symbol, das in die Geschichte als Meilenstein auf dem Weg zur nachhaltigen Mobilität eingehen wird – oder eben als vertane Chance. Das nächste Jahrzehnt wird geprägt sein von der Auseinandersetzung mit dem Mobilitätssektor – der zweitgrößte CO2 Emittent Deutschlands. Mit dem Danni haben Sie jetzt die Chance, Geschichte zu schreiben.

Ihre Clara Thompson

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