1. Startseite
  2. Meinung

Liebe Reisende,

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Ein Traumurlaub, dessen Folgen für nachfolgende Generationen zum Albtraum werden können.
Ein Traumurlaub, dessen Folgen für nachfolgende Generationen zum Albtraum werden kann. © Imago

wieder sind Sommerferien. Und was für welche. Es wird gereist, was das Zeug hält. Zum Glück? Der Klimabrief von Linus.

Also von vorn. Der Tourismussektor ist global für rund acht Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die müssen sinken wie in allen Sektoren. Wer soll aber wo konkret Emissionen sparen?

Wie in fast allen Wirtschaftssektoren ist die Preisfindung der Angebote im Tourismus-Sektor entkoppelt von den verursachten Folgekosten. Zur Veranschaulichung: Ich bin gerade aus dem England-Urlaub zurück. Das kostet mit dem Eurostar durch den Tunnel 150 Euro aufwärts, Hamburg-Stansted mit Ryanair kostet 12 Euro. Die indirekten Folgekosten des Fluges sind trotzdem um ein Vielfaches höher. Sie sind aber nicht im Preis enthalten und werden so zeitlich externalisiert – in die Zukunft.

Um das zu ändern, braucht es politische Lenkungsentscheide, konkret eine CO2-Steuer, die den realen Kosten einer Tonne Kohlendioxid (CO2) in der Zukunft gerecht wird und es verhindert, dass Kosten auf kommende Generationen abgewälzt werden. Je nach Modell sind das aktuell zwischen 180 und 350 Euro pro Tonne CO2.

Gleiches Kostenprinzip gilt auch für Hotellerie und Aktivitäten vor Ort. Darüber hinaus muss klimafreundliche Mobilität als das verstanden werden, was sie ist: Ein Grundrecht, was die Gesellschaft voranbringt. Entsprechend sollte sie gefördert werden, sei es Fahrradinfrastruktur, ÖPNV oder der Fernverkehr.

Es muss also, wie so oft in diesen Zeiten, ganz viel Transformation her – aus zwei wichtigen Gründen. Grundlegend mal zur Einhaltung der Klimaziele. Im Weiteren und ultimativ davon abhängig, ob wir Ersteres schaffen, aber auch um das Fortbestehen des Tourismus zu gewährleisten.

Und das ist wichtiger, als es klingen mag: Reisen war und ist eine Voraussetzung für unsere moderne Gesellschaft. Interkultureller Austausch, gegenseitiges Interesse und sprachliches Verständnis sind grundlegend für Akzeptanz und Toleranz. Tourismus trägt damit fundamental zu einem Grundpfeiler unserer pluralen und offenen Demokratie bei.

Genau weil der Tourismus so wichtig ist und seine Vorteile so erhaltenswert sind, muss er sich also ändern. Primär braucht es dazu einen gesetzlichen Rahmen. Wo er fehlt, braucht es Initiative aus der Wirtschaft und ganz am Ende kollektive Verantwortung.

In diesem Sinne: Gehen wir den nötigen Wandel gemeinsam an. Für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Schönen Urlaub!

Euer Linus

Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung.

Auch interessant

Kommentare