Oma, wenn Du das nächste Mal mit dem Bus fährst, lass die Fahrerin oder den Fahrer wissen, dass du weißt, wie wichtig ihre Arbeit ist.
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Oma, wenn Du das nächste Mal mit dem Bus fährst, lass die Fahrerin oder den Fahrer wissen, dass du weißt, wie wichtig ihre Arbeit ist.

Klimabrief

Liebe Oma

Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung.

Liebe Oma, ich weiß, dass Du am Dienstag, wie viele andere in ganz Deutschland, nicht mit Bussen oder Bahnen Deine Termine erledigen konntest, dass Du zu Hause bleiben musstest, weil Du kein Auto hast.

Du fragst mich, warum ich das ganze Jahr schon auf diese Auseinandersetzung hingearbeitet habe und mich jetzt so stark für den Streik ausgesprochen habe.

Im öffentlichen Nahverkehr werden dieses Jahr erstmals seit Jahrzehnten die Tarifverträge der Beschäftigten bundesweit verhandelt. Normalerweise geschieht dies nur auf kommunaler Ebene. Seit Anfang des Jahres vernetzt sich Fridays for Future mit der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft sowie Bus- und Bahnfahrerinnen und -fahrern aus über 30 Städten.

Gemeinsam fordern wir eine sozialökologische Verkehrswende; diese kann nur mit einem massiv ausgebauten ÖPNV, also auch mit mehr Personal, vorangetrieben werden. Die Arbeitsbedingungen sind jedoch so katastrophal, dass es kaum Menschen gibt, die deren Jobs ausführen möchten.

Nur wenn wir diese in der Corona-Krise so oft als systemrelevant bezeichneten Jobs auch gerecht und damit attraktiv gestalten, können wir den nötigen Ausbau überhaupt stemmen. Es muss klar sein: Klimaschutz bedeutet viele neue, gut bezahlte Jobs.

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Während die Klimakrise immer dringlicher wird, ist die Bilanz im Verkehrssektor nämlich besonders bedrückend, denn hier sind die CO2-Emissionen im vergangen Jahr weiter gestiegen. Es wird mutige Investitionen und mutige Lösungen brauchen, um diese Krise anzugehen. Es braucht ein langfristiges Konjunktur- und Investitionspaket, das die Bedürfnisse der Menschen und nicht den Autoverkehr in den Mittelpunkt stellen

Wir stellen in der Zusammenarbeit mit den Beschäftigten Visionen für die Mobilitätswende auf. In der Politik sieht man hiervon gar nichts, stattdessen wird über Abwrackprämien diskutiert. Letzte Woche haben die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber bekannt gegeben, dass sie mit Verdi über die neuen und besseren Tarifverträge nicht verhandeln werden.

Nach all dem, was die Beschäftigten täglich leisten, war das besonders für sie, aber auch für uns wie ein Schlag ins Gesicht. Das macht wütend. Das enttäuscht. Deshalb streiken sie. Deshalb streiken wir. Weil uns beiden, aus verschiedenen Richtungen kommend, keine Wahl gelassen wird.

Jetzt warten wir ab. Ob die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber doch bereit sind zu verhandeln. Wenn nicht, kämpfen wir weiter, gemeinsam.

Also Oma, wenn Du das nächste Mal mit dem Bus fährst, vielleicht lässt Du die Fahrerin oder den Fahrer wissen, dass du sie unterstützt und schätzt und weißt, wie wichtig ihre Arbeit ist.

Alles Liebe, Lara

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