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Was es heißt Klimaaktivistin zu sein, steckt schon im Namen: Gegen die Klimakrise aktiv werden.

Fridays for Future

Liebe Mama

Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung.

Die Klimakrise schwebt aktuell als riesige Bedrohung über uns, vor der man eigentlich nur weglaufen möchte. Mir geht es zumindest so. Wir lesen jeden Tag Geschichten darüber, wie die Klimakatastrophe in Teilen dieser Welt zur Lebensrealität von Millionen Menschen wird und aktuelle Prognosen unserer Zukunft gleichen den dystopischen Romanen, von denen Du früher nicht wolltest, dass ich sie lese.

Ich weiß, dass die Klimakrise auch Dich beschäftigt und trotzdem würdest Du nie auf die Idee kommen, Dich als Aktivistin zu bezeichnen. Ich kann das nachvollziehen. Denn die Klimakrise ist nicht nur riesig und schwer begreifbar, vor ihr steht auch immer das Wort „menschengemacht“, welches schreit: „Du, ja genau Du, bist Schuld an dem ganzen Schlamassel hier“. Damit konfrontiert zu sein, dass man als Teil der Menschheit damit selbst auch die Verantwortung für die Klimakrise trägt, lähmt und hinterlässt ein Gefühl der Ohnmacht. Es ist wichtig zu sagen, dass dies nicht stimmt.

Dein individuelles Verhalten allein wird nicht darüber entscheiden, ob wir das 1,5-Grad-Ziel einhalten oder verfehlen. Das ist einerseits frustrierend – wie toll wäre es bitte, wenn wir einfach so die Klimakrise aufhalten könnten –, aber vor allem nimmt es den Druck von unseren Schultern und erlaubt uns festzustellen, wer die wahren Schuldigen sind: Die Regierungen, die weiterhin versuchen, das fossile Zeitalter am Leben zu halten. Die nur 100 Unternehmen, die aktuell allein über 70 Prozent der weltweiten Emissionen ausmachen. Das System, welches nachhaltiges Leben zu einem Privileg für die Menschen macht, die es sich finanziell und zeitlich leisten können.

Pauline Brünger, Klimaaktivistin.

Was es heißt Klimaaktivistin zu sein, steckt schon im Namen: Gegen die Klimakrise aktiv werden. Niemand erwartet, dass Du plötzlich auf jeder Demo anwesend bist, mit Ratsmitgliedern diskutierst und die Klimakrise immer überall in Deinem Job einbringst. Du bist nicht schuld an dem Gesamtkonstrukt Klimakrise und Du trägst auch nicht die Verantwortung, sie in ihrer Gesamtheit zu lösen. Und sind wir mal ehrlich: Selbst wenn wir diesen Gedanken verinnerlicht haben, wird es nicht einfach, all das zu tun, was nötig ist. Aber es ist genau das, was wir brauchen: Menschen, die etwas tun, das unbequem und nicht einfach ist. Ich weiß, dass Du einer davon sein kannst.

Deine Pauline.

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