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Mit dem Neun-Euro-Ticket alleine ist es nicht getan.
Mit dem Neun-Euro-Ticket alleine ist es nicht getan. © Lennart Preiss/dpa

Der Erfolg des Neun-Euro-Tickets darf nicht einfach verpuffen. Er muss der Anfang des Wandels sein!

letzte Woche hatten wir ein Date: Wir wollten zusammen nach Berlin fahren. Aber dann hast du mich einfach sitzengelassen – schon wieder … Trotz vieler Enttäuschungen wie dieser haben ich und Millionen von Menschen mit dem Kauf eines Neun-Euro-Tickets gesagt: Lass es uns noch mal versuchen!

Zugegeben: In diesem Land haben wir es dir nicht immer leicht gemacht. Du hattest deine goldenen Jahre, fast jedes Dorf war mit dem Zug zu erreichen. Andere Zeiten, ich weiß. In den letzten 70 Jahren ging es in dieser Hinsicht dann bergab: Über 15 000 Streckenkilometer – und damit jeder vierte – wurden in dieser Zeit stillgelegt. Ich kann es dir nicht verübeln, wenn du nun neidisch über die Landesgrenzen blickst. Unsere Nachbarn in Österreich und der Schweiz geben pro Kopf drei- bis fünfmal mehr für ihre Bahninfrastruktur aus.

Hier dagegen wurde dir lange der Gürtel immer enger geschnallt. Ich kann also gut verstehen, liebe Bahn, dass bei dir gerade nicht alles glatt läuft. In den letzten Jahrzehnten wurde dir von der Politik übel mitgespielt: Für den Wahlkampf hat man mit deinem Ausbau geworben – ging es dann aber ums Regieren, war stattdessen die Lobby der Auto- und Flugindustrie gerngesehener Gast im Verkehrsministerium. Statt neuen Gleisen gab es Tausende Kilometer an zusätzlichen Straßen und Steuervorteile für den Flugverkehr.

Dabei sind deine Vorteile unbestreitbar. Kein motorisiertes Verkehrsmittel ist weniger klimaschädlich als du. Du bist leise, schnell, effizient und komfortabel. So sieht die Mobilität der Zukunft aus. Wer braucht schon Flugtaxis und Tesla, wenn wir auch dich haben können?

Ich finde, du hast dir eine zweite Chance verdient. Mit dem Neun-Euro-Ticket hast du gezeigt, dass Bahnfahren für alle attraktiv sein kann, wenn der Preis stimmt. Dieser Erfolg darf nicht einfach verpuffen, ein einmaliges Ereignis bleiben. Er muss der Anfang des Wandels sein! Dazu muss die Politik die nötigen Rahmenbedingungen schaffen. Statt des Verkehrsverbünde-Föderalismus brauchen wir einen bundeseinheitlichen Tarif, dauerhaft erschwingliche Preise und endlich richtig Geld für deinen Ausbau.

Wenn das möglich ist, liebe Bahn – können wir beide es noch mal versuchen? Ich brauche dich – für unsere Mobilität und fürs Klima!

Ihr Lukas Gress, Fridays-for-Future

Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung.

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