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Letzte Hoffnungen

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Wieder steht eine Klimakonferenz bevor, wieder ein Gewürge um Details. Gibt es überhaupt noch Chancen, dass die Erderwärmung aufgehalten wird?

Eine dramatische Geste. Das Europaparlament hat, kurz vor Beginn des Weltklimagipfels in Madrid, den „Klimanotstand“ ausgerufen. Es handelt sich zwar vorerst nur um eine in der Praxis folgenlose Deklaration – aber sie passt wie die Faust aufs Auge. Denn die Nachrichten von der Klimafront sind tatsächlich dramatischer denn je.

Die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre erreichte im vorigen Jahr einen neuen Rekord, wie die Welt-Meteorologie-Behörde gerade mitgeteilt hat. Das war zwar zu erwarten, schließlich hat die Menschheit das Produzieren von CO2 und Co. bekanntermaßen noch nicht eingestellt. Die wirkliche Dramatik steckt in einem anderen Faktum: Die Emissionszunahme lag 2018 sogar höher als im Schnitt der vergangenen zehn Jahre.

Das heißt: Anstatt die Erde endlich weniger zusätzlich aufzuheizen, dreht die Weltgemeinschaft das Thermostat noch stärker nach oben. „Es Tiempo de Actuar.“ So lautet das Motto der diesjährigen Weltklimakonferenz. Zu Deutsch: „Es ist Zeit zu handeln.“ Die Ironie, die daraus spricht, ist kaum zu übertreffen. Denn es handelt sich bereits um die 25. dieser „COP“ genannten Konferenzen seit dem UN-Erdgipfel von Rio de Janeiro.

Damals, vor über einem Vierteljahrhundert, hatten fast alle Staaten der Welt die Klimakonvention verabschiedet, die eine „gefährliche“ Störung des Klimasystems verhindern soll. Genau das ist nicht geschehen. Im Gegenteil. Die Treibhausgasemissionen liegen um fast die Hälfte höher als damals und das vielbeschworene 1,5-Grad-Limit der globalen Erwärmung wird aller Voraussicht nach bereits im übernächsten Jahrzehnt überschritten.

Schon jetzt ist klar: Auch der Madrid-Gipfel wird die Kehrtwende nicht bringen. Dazu ist er gar nicht angelegt. Er soll die letzten Details des „Regelbuchs“ für das 2015 geschlossene Paris-Abkommen klären, damit dieser Vertrag ab dem nächsten Jahr umgesetzt werden kann. Schon das ist offenbar schwierig genug, unter anderem, weil Brasilien sich bei der Ausgestaltung des Handels mit CO2-Zertifikaten querstellt. Es droht also wieder das Gewürge um Details, wie man es seit allzu vielen Jahren kennt.

Der wirkliche Knackpunkt ist doch: Sind die Länder der Welt bereit, den Paris-Vertrag ernst zu nehmen, in dem sie sich verpflichtet haben, ihre nationalen CO2-Reduktionsziele so anzuheben, dass diese dem 1,5- bis Zwei-Grad-Limit entsprechen? Bisher sind die Ziele so schwach, dass sie auf einen Drei- bis Vier-Grad-Pfad führen – und damit in drastisch verschlechterte Lebensverhältnisse bereits für die junge Generation von heute.

Bisher mauern die meisten Regierungen. Auch flehende Appelle von UN-Generalsekretär Guterres an die Staats- und Regierungschefs, bei seinem Klimasondergipfel in New York im September in Vorlage zu gehen, nützten fast nichts. Es gab dort fast nur Sonntagsreden. So läuft es auf einen Showdown im nächsten Herbst hinaus – vor dem Klimagipfel Nummer 26, der dann in Glasgow stattfindet. Die Hoffnungen liegen auf China und der EU. Auf China, dem weltgrößten CO2-Einheizer, dessen Staatschef XI Jinping sich als Klimakämpfer positioniert hat und dem man rasante Politikwechsel zutraut. Auf der EU, weil die neue Kommissionspräsidentin von der Leyen das Klima zum Megathema erklärt hat, einen „Green New Deal“ plant und das CO2-Ziel für 2030 deutlich anheben will.

Die USA, unter Präsident Obama noch ein wichtiger Player, werden ein Totalausfall bleiben, solange Trump regiert. Wenn es hier Hoffnung gibt, dann nur die, dass spätestens im nächsten Herbst ein neuer US-Präsident ans Ruder kommt, der den Klimarollback schnell korrigiert.

Doch selbst wenn es so kommt, also China und EU plus die Post-Trump-USA dem Klimaschutz weltweit Drive geben und den Rest der Welt mitziehen – die große Frage bleibt, ob das alles noch reicht. Klimaforscher haben berechnet: Die Emissionen müssen ab 2020 jedes Jahr um fast acht Prozent sinken, um noch eine Chance auf Einhaltung des 1,5-Grad-Limits zu haben, das als globales „Sicherheitsnetz“ gegen die Auslösung von Kippelementen des Klimas gilt. Es braucht schon sehr viel Optimismus, um zu glauben, dass die CO2-Kurve so schnell vom Wachstum ins Schrumpfen gebracht werden kann. Die Erfahrung der vergangenen drei Jahrzehnte spricht dagegen.

Trotzdem wäre es falsch, die Hoffnung darauf schon jetzt aufzugeben. Mag sein, dass die junge Fridays-for-Future-Generation weltweit so viel Druck macht, dass die „große Transformation“ doch noch möglich wird – ein schneller Umschlag vom fossilen ins solare Zeitalter. Europa könnte hier das Modell abgeben, wenn alles gutgeht. Hier wäre die neue „Green New Deal“-Agenda der Kommission, in die in den nächsten zehn Jahren die gigantische Summe von einer Billion Euro aus öffentlichen und privaten Mitteln fließen soll, ohne die Klimastreiks undenkbar gewesen. Wenn das nicht Mut macht, was dann?

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