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Alle wollen sie die Heimat von links denken. Geht nicht, findet unsere Autorin.

Wer sind Wir?

Heimat von links kann es nicht geben 

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Lässt sich Heimat auch von links definieren? Oder ist der Begriff generell ausgrenzend und eine Kriegserklärung an jene, die nicht heimathörig sind? Die Kolumne.

Das Pleitemodell große Koalition ist wieder fleißig bemüht, die politische Agenda des rechtsextremen Spektrums zumindest in abgespeckter Form in Gesetze zu gießen. Mit ihrem „Hau-ab-Gesetz“ setzt sie all jene in den Flieger, denen sie auf deutschem Boden keine Lebensperspektive zu ermöglichen gedenkt. Und vor der großen Feriensause haben sie sich noch schnell das Staatsangehörigkeitsgesetz vorgeknöpft, das es bislang wohl zu gut mit jenen meinte, die sich in diesem Land ein Zuhause aufbauen wollen.

Da könnte ja jeder kommen, denn zukünftig ist der Erwerb des schwarz-rot-goldenen Premiumprodukts an die „Einordnung in deutsche Lebensverhältnisse“ gekoppelt, wobei „insbesondere das Verbot der Mehrehe“ sichergestellt werden soll. Dass laut „tagesschau.de“ nicht einmal das Bundesinnenministerium weiß, „wie viele solcher Fälle sich bislang einbürgern lassen wollten“, geschenkt. Aber wieso wurde nicht einfach solch ein Verbot eingeschrieben? Vielleicht, weil so mancher Politiker mit seiner „Beziehungs“biografie auch aus dem Raster fallen dürfte. Also ausbürgern?

Rassistische Hierarchisierung innerhalb einer Mehr-Klassen-Gesellschaft

Das kann dem Bayern in zehnter Generation nicht passieren, aber demjenigen, der eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzt und „an Kampfhandlungen einer terroristischen Vereinigung im Ausland“ beteiligt ist. Da geht es in Sachen Ausbürgerung zukünftig ratzfatz. Warum auch lange fackeln, ist ja nur ein „halber“ Deutscher, und wenn der sich daneben benimmt, kann er so deutsch sein, wie er lustig ist – im Irak gibt es genug Knäste.

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Das ist jedoch nichts anderes als eine rassistische Hierarchisierung innerhalb einer Mehr-Klassen-Gesellschaft. Aber schon praktisch, wie man auf diese Art die kriminellen Sorgenkinder loswird; einem Nils Högel ist hingegen nicht beizukommen. Der ist als 1.-Klasse-Deutscher trotz 85-fachen Mordes verwurzelt. Womit wir bei „Blut und Boden“ wären und die deutschen „Lebensverhältnisse“ nur dann relevant sind, wenn einer nicht aussieht wie Horst Seehofer.

Mutig, dass die SPD trotzdem einem „linken“ Heimat-Begriff hinterherhechelt „Eine Heimat (…), die sich über ein ‚Wir gegen Die‘-Denken begründet, wie es rechte Populisten machen“, gebe es nicht, heißt es auf der Seite der Bundestagsfraktion.

Die SPD orientiert sich an rechten Heimat-Parametern

Bekommen SPD-Texter nicht mit, was um sie herum geschieht? Wer ist denn das „Wir“, das definiert, wer dazugehört? Und wer bestimmt, was „deutsche Lebensverhältnisse“ sind?Natürlich orientiert sich die SPD an rechten Heimat-Parametern, ohne die sie glaubt, gänzlich abzusaufen. Das haben sie nicht exklusiv, denn welcher „Grüne“ oder „Linke“ hat in der letzten Zeit nicht versucht, etwas „Linkes“ aus der Heimat herauszupressen?

„Wenn wir Begriffe aufgeben, nur weil andere sie benutzen, verlieren wir die Möglichkeit, Wirklichkeit zu beschreiben“, sagt etwa Grünen-Chef Habeck, und Ramelow (Linke) will Heimat demjenigen „als Schutzraum“ ermöglichen, der ihn haben will.

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Hier sei angemerkt, dass ein Schutzraum eine gesellschaftliche Offenheit explizit ausschließt und die Beschreibung einer Gesellschaft ohne den schwammigen Heimatbegriff viel wirklichkeitsnaher funktioniert – weil Heimat Ausgrenzung mitmeinen muss.

Publizist Wolfgang Pohrt hat entsprechend Heimatverbundenheit nicht als „Liebeserklärung an Landsleute“ verstanden, „sondern als Kriegserklärung an jene“ die nicht als heimathörig identifiziert werden. Schönes Schlusswort.

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