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Demonstranten zeigen Bilder der in Russland festgehaltenen Greenpeace-Aktivisten.
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Demonstranten zeigen Bilder der in Russland festgehaltenen Greenpeace-Aktivisten.

Kolumne zum Klimaschutz

Lehrmeister mit Negativbilanz

  • Klaus Staeck
    VonKlaus Staeck
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Russland sperrt 30 Umweltschützer ein, Japan kassiert seine Klimaziele. In Brasilien nimmt die Rodung des Regenwaldes rasant zu, Australien schafft die CO2-Steuer ab. Aber auch wir Deutschen sollten die Lehrmeisterbacken nicht allzu arg aufblasen. Eine Kolumne.

Als ich dieser Tage abends an der russischen Botschaft in Berlin Unter den Linden vorbeiging, bemerkte ich die Demonstranten zunächst gar nicht. Erst auf den zweiten Blick sah ich auf dem Mittelstreifen zwei Greenpeace-Leute vor einem schwach beleuchteten Transparent mit dem Text „Lasst unsere Aktivisten frei! Schützt die Arktis!“ und den Porträts von 30 Gefangenen. 30 brennende Kerzen gaben der Szene etwas Gespenstisches.

Wochenlang wurden 28 Aktivisten und zwei Journalisten in Russland festgehalten, angeklagt mal wegen Piraterie, mal wegen Rowdytum. Jetzt wurden ein Dutzend von ihnen freigelassen, allerdings nur auf Kaution. Das Verbrechen der dreißig? Sie haben friedlich für den Schutz der Arktis demonstrieren wollen mit dem Versuch, eine Ölplattform des russischen Konzerns Gazprom zu erklimmen. Das ist eine der Firmen, die für unsere warmen Stuben sorgen. Der Name Gazprom steht auch auf den Leibchen der Kicker von Schalke 04.

Warum ich noch einmal an die Greenpeace-Aktion erinnere? Weil in Warschau gerade wieder einmal ein UN-Klimagipfel mit den üblichen Tausenden von Teilnehmern tagt, diesmal zur Vorbereitung einer Welt-Klimakonferenz 2015 in Paris.

Warum eigentlich ausgerechnet in Polen? Schließlich gehört unser Nachbarland mit seinem gewaltigen CO2-Ausstoß zu den großen Bremsern in Sachen Klimaschutz. Nicht nur ich frage mich inzwischen, was diese Massentreffen von Experten aller Art mit einer ganz eigenen verheerenden Klimabilanz noch bringen. Fast alle, die ich nach ihren Erwartungen fragte, hatten keine – soweit sie überhaupt von dem Warschauer Meeting wussten.

Für Aufmerksamkeit sorgte immerhin der Taifun Haiyan, der nach den Verwüstungen auf den Philippinen bis ins Konferenzstadion schwappte. Kann es zeitgleich noch dramatischere Signale geben? Japan jedenfalls zeigt sich von derartigen Naturgewalten wenig beeindruckt. Der Inselstaat überraschte die UN-Konferenz mit der zynischen Botschaft, die eigenen hohen Klimaziele wieder deutlich zurückzufahren. Auch in Brasilien nimmt die Rodung des Regenwaldes wieder rasant zu. Und die konservative australische Regierung schafft gerade die CO2-Steuer ab.

Aber auch wir Deutschen sollten die Lehrmeisterbacken nicht allzu arg aufblasen. Denn unsere CO2-Bilanz steigt schon wieder. Nehmen wir nur das ganze Hickhack unserer Regierung, als es um ein Brüsseler Abkommen zur Senkung der Grenzwerte für Autoabgase ging. Gleich haben die Lobbyisten unserer Premiumklassen das Gaspedal wieder ganz weit durchgedrückt. Denn alle Umweltverbände zusammen haben keine Chance, die Großspenden der BMW-Familie Quandt an die Unionsparteien zu übertreffen.

Deutsche sparen keine Ressourcen

Die mediale Heuchelei geht mir übrigens gehörig auf die Nerven: Am Sonntag auf den Titelseiten und als TV-Hauptmeldung die mitleiderregenden Bilder vom Wüten des Taifuns, am Montag an gleicher Stelle Fotos von pubertierenden Formel-1-Siegern bei der Champagnerdusche.

Im Dezember 2011 veröffentlichte der „Stern“ eine Umfrage zum Energieverbrauch der Deutschen. Zwei Drittel zeigten sich weder von der Gletscherschmelze, noch vom Wüstenvormarsch oder sonstigen Naturkatastrophen zu sparsamerem Umgang mit den Ressourcen veranlasst. So bleibt es auch für die zu erwartenden Klimaflüchtlinge bei der Parole „Das Boot ist voll!“ Dass wir selbst dabei sind, Loch um Loch in das bereits sinkende Boot zu bohren – wen schert es? Eine große Koalition könnte immerhin den Versuch unternehmen, in Sachen Klimaschutz eine neue Politik einzuleiten. Ja, könnte.

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