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Erster Weltkrieg

Lehren aus der Geschichte

  • VonDaniel Haufler
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Symposium zum Ersten Weltkrieg bei Gauck.

Hat Europa vom Ersten Weltkrieg gelernt? Diese Frage stellen sich nicht nur Historiker. Auch den Bundespräsidenten bewegt sie, weshalb er zum Symposium „Geteilte Erinnerungen, gemeinsame Erfahrung?“ ins Schloss Bellevue eingeladen hat. Und er bekam von den Geschichtsforschern zumindest zwei klare Antworten. Zum einen: nein. Zum anderen: sehr Unterschiedliches in den verschiedenen Staaten.

Bestseller-Autor Christopher Clark fasste das schön zusammen, findet Kurt Kister in der „Süddeutschen Zeitung“, als er anmerkte, dass „,die Vergangenheit (oft nur) als Spiegelbild unserer selbst‘ verstanden werde. ,Die Geschichte schenkt uns keine Lehren‘, meinte Clark – jedenfalls nicht im Sinne von Handlungsanweisungen.“ Der Osteuropa-Kenner Karl Schlögel habe sich ob der Frage sogar irritiert gezeigt: „,Sind wir gefangen in den Zyklen der Erinnerung‘, fragte Schlögel, handele es sich bei dem Jubiläumsgetöse gar um eine Flucht vor der Gegenwart?“

Nicht so für Joachim Gauck, der in einer Ansprache seine Lebensthemen Freiheit und Demokratie geschmeidig mit der Auseinandersetzung um den Ersten Weltkrieg verknüpfte. „Über 1918 und 1939/45 eilte Gauck in Siebenmeilenstiefeln nach 1989. Und von dort gelangte er zur Rückkehr der Kriege in den 90ern und schließlich zum neuen, alten Denken in Macht- und Einflusssphären, das sich in der ,Destabilisierung fremder Staaten und Annexion fremder Territorien‘ Bahn breche. Gemeint war Putins Russland, natürlich. Die Debatte darüber nahm auf dem Podium mit Schlögel, Clark und anderen Großen, zu großen Raum ein“, befindet Kister.

Neben den großen Lehren wurde viel Persönliches in die Beiträge eingeflochten, da ja der Untertitel der Veranstaltung „Europa erzählt vom Ersten Weltkrieg“ war. So kamen französische und deutsche Großväter des Historikers Etienne François ebenso in Beiträgen vor wie die seines Kollegen Boris Kolonitskii aus Russland. Das erdete den Diskurs.

Besonders aufschlussreich sei jedoch der Vortrag von Selim Deringil aus Istanbul gewesen, weil er hier weitgehende unbekannte Dinge behandelte, meint Lorenz Jäger in der „FAZ“. „Im Frühjahr 1915 begannen Briten und Franzosen mit dem Versuch, Gallipoli einzunehmen und in die Türkei einzudringen, die mit den Mittelmächten verbündet war. Die offizielle türkische Erinnerung an dieses Geschehen, bei dem sich Mustafa Kemal auszeichnete, der sich später Atatürk nannte, blendet den deutschen Anteil – sowohl zur See wie auf dem Land – heute offenbar völlig aus. Die 18 000 deutschen Offiziere, die am Ende 1918 in der Türkei stationiert waren, seien aus der Geschichte gleichsam ,herausgestrichen‘ worden.“ Hinzu kommt, dass inzwischen Gallipoli unter der Regierung Erdogan islamisiert und als siegreiche Abwehr eines westlichen Kreuzzugs gedeutet werde. Eine bemerkenswerte „Lehre“ aus dem Ersten Weltkrieg.

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