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Alles trist in Deutschland.
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Alles trist in Deutschland.

Kolumne: Lieber Herr Thadeusz

Wir leberwurstgrauen Germanen

  • VonJörg Thadeusz
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Als die Gefühlslagen und Klischees für Europas Nationen verteilt wurden, sind die Deutschen mit Eigenschaften belegt worden, die wohl allgemein als streberhaft gelten. Aber es hätte schlimmer kommen können.

Es hätte schlimmer kommen können. Damals, als die Gefühlslagen und Klischees verteilt worden sind, mit denen sich die europäischen Nationen ab sofort abzufinden haben. Die Eleganz ging an die Franzosen. Den Italienern wurde ohne großes Zögern die Leichtigkeit zugeschrieben.

Jede galizische Muschelfischerin muss sich dagegen bis heute damit abmühen, inwiefern sie denn wohl mentale Gemeinsamkeiten mit einem spanischen Stierkämpfer hat. Teilt das Schicksal unerfüllbarer Erwartungen mit dem komplett humorlosen Zahnarzthelfer aus Norwich, UK.

Den starren kontinentaleuropäische Urlaubsbekanntschaften immer erwartungsfroh an. Können es kaum aushalten, so sehr hoffen sie, dass er endlich Witz an Scherz reiht. Als Mann aus einem Land, das nicht mehr Weltmacht, aber doch immer noch das Faxen-Empire zu sein hat.

Es hätte uns auch so schlimm erwischen können wie die Portugiesen. Eine nicht zu erfüllende Sehnsucht nach der Ferne unterstellt ihnen ihr nationales Image. Ihr Trauerkloßtango, der Fado, lässt sie permanent schlecht drauf erscheinen. Die lauten Spanier im Rücken, müffelnden Stockfisch auf dem Teller, die traurigen Portugiesen sind nicht zu beneiden.

Gewollte Tristesse

Wir hingegen sind alle so sauber, dass wir von jedem Stück heimischen Bodens essen können. Zudem noch pünktlich, aber auch fleißig. Damit ist klar: Wer mit solchen Strebereigenschaften verbunden wird, den will keiner dabei haben, wenn es ums Bacardi-Feeling geht. Klar, alles Vorurteil, ausgedachte Luftnummern. Jeder Mensch ist einzigartig. Aber wie sollen allein die zigtausend Frühstückskellner in den Urlaubshotels des Südens jemals unsere deutschen Morgenfressen vergessen?

Sollten Sie schon nach dem Sonnenaufgang lächeln, flöten und pfeifen, dann denken Sie an mich und damit die germanische Mehrheit. Mein leberwurstgraues Gesicht so frohsinnig wie eine westfälische Brachlandschaft im 13-Uhr-Niesel eines Februartags.

Ist doch auch nicht schlimm: Warum sollten wir mit der schlechten Laune aufhören, wenn wir sie so gut können, dass wir es damit zu Weltruhm gebracht haben? Diesen ganz und gar unkaribischen Wahlkampf mit zwei Miesepetern als Kandidaten macht uns so schnell keiner nach.

Im kommenden Jahr wird sich der schicke Jogi Löw für Deutschland in der weiten Fußballwelt zeigen. Manche seiner Spieler sind Weltklasse und hungrig nach Erfolg. Aber sie werden schwarz-rot-gold aus der Wäsche gucken. Nach einem 2:1- Sieg also immer noch rüberkommen, als hätten alle jungen Männer im Teambus ganz schlimm Krebs.

Keine Spur von Besinnlichkeit

Wer den Jogi emotional verstehen will, geht zwischen Samstagnachmittag und Montagmorgen durch eine deutsche Einkaufsstraße. So muss es sich anfühlen, wenn man tot über dem Zaun hängt. Diese Tristesse ist überaus gewollt. Protestanten, die ihrem generell grummeligen Lebensgefühl mit Religion ein Gerüst geben, mahnen, dass wir uns am Sonntag zu besinnen haben.

Wenn sich bald wieder ein gnädiger Dampf aus erzgebirgischen Holzmännchen zwischen uns und unsere Verwandten schiebt, dann halte ich das Weihnachtswunder aber immer noch für möglich. Also keine Spur von Besinnlichkeit. Sondern das Gegenteil, nämlich richtig gute Laune.

Jörg Thadeusz ist RBB-Moderator.

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