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Mit Kruzifix und Christus-Plakaten gegen Abtreibung: Mahnwachen am Frankfurter Palmengarten.

Mahnwachen gegen Abtreibungen

Die Lebenden Toten vom Palmengarten

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Der Verein „40 Tage für das Leben“ sieht sich auf göttlicher Mission gegen die Abtreibung - und schreckt auch vor Holocaust-Verharmlosungen nicht zurück. Die Kolumne in der FR.

Erneut hat sich das betende Grüppchen in der Frankfurter Palmengartenstraße einiges vorgenommen. Seit 2017 positionieren sich die Jünger*innen um den radikal-christlichen Verein „40 Tage für das Leben“ regelmäßig vor der Zentrale von Pro Familia, um die „Allmacht“ ihres „Gottes“ zu bemühen, auf dass dieser die Abtreibung stoppen und „Irrende“ zur Umkehr bewegen möge.

So ganz scheinen sie sich auf ihn nicht verlassen zu wollen. Reichte des „Herrgotts Macht“ für ihre Mission, benötigten sie keine Plakate mit schwangeren Frauenbäuchen, zarten Kinderhänden und Schutzpatroninnen des „Ungeborenen“, um den Frauen auf dem Weg zur Beratungsstelle die Anklage ins Gewissen zu prügeln, und sei es auch nur mit einem imaginären Kreuz.

Es ist die Lehre der „Lebensschützer“, dass ein weiblicher Körper jedem gehört, nur nicht der Frau. Entsprechend gemahnt das Aktionsbeten an einen Feldzug, der die Schwangerschaft auf die politische Agenda setzt, und der entsprechend historischer Vorbilder vor keinem noch so schäbigen Propagandainstrument zurückschreckt.

Kampf gegen Abtreibung: Wilder Mix aus Baby- und Horrorbildern auf Facebook

„Möge sich der Himmel öffnen und die Göttliche Gnade auf diese Stadt herabkommen zum Heil unserer Freunde und zur Umkehr unserer Gegner“, steht es auf Facebook geschrieben, wobei hier vorbildlich Aufschluss gegeben wird über das allgemeine, legitimationsbildende Themensetting. Die Seite ist ein wilder Mix aus Baby-Postings, Horrorszenarien über die Folgen von Abtreibung und dem üblichen Gender-Study-Bashing, wie man es von der „Demo für alle“ kennt. Frauen werden grundsätzlich schwanger gedacht, das Frauenbild entsprechend perspektivisch an einen lebensspendenden Auftrag gekoppelt, den angeblich eine höhere Macht vordefiniert hat. Man könnte auch sagen, es ist nichts mehr als eine Roll-back-Reaktion des Patriarchats.

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Das muss dem Volk entsprechend untergejubelt werden, weshalb der „40 Tage“-Verein in seiner Verve gegen Abtreibung weder vor einer Verharmlosung des Holocaust noch der der Sklaverei zurückschreckt. Mit „Not a Person“ war am 7. Dezember ein dreigeteiltes Bild überschrieben, das einen gefolterten Sklaven, daneben KZ-Insassen und schließlich einen Embryo zeigt.

Abtreibungsgegner hausieren mit dem Völkermord

Eine Abtreibung wird hier mit Massenmord assoziiert, eine Frau, die sich gegen die Geburt eines Kindes entscheidet, mit Faschisten und Rassisten gleichgesetzt, deren Aktionismus auf Quälen und Morden fokussiert ist. 

Aktivisten, die mit Völkermord hausieren gehen, um gegen Abtreibung mobilzumachen, nennen sich also „Lebensschützer“, um ihre Beschützerbehauptung als die richtige zu verkaufen – dabei kommt sie direkt aus der rechten Propaganda-Hölle.

Scheinbar wird jedes Leben missbilligt, das den Mutterleib verlassen hat und aus dem Propagandaraster kracht. Was man auch daran sehen kann, dass ein Verbot der Konversionstherapie abgelehnt wird, das die „Heilung“ Homosexueller unter Strafe zu stellen gedenkt. Die „Lebensrechtler“ sehen offenbarsexuelle Selbstverwirklichung analog zur Frauenemanzipation als „no way out“ innerhalb der patriarchalen Einbahnstraße.

„Dass alle Lebensrechtler widerliche Nazis sind, wissen wir aus den Artikeln von dem Oberkroaten Daniel M.“, heißt es auf Facebook über den FR-Kollegen Danijel Majic, der zum Thema schon länger recherchiert. Inwiefern der „40 Tage“-Verein mit einer „Widerlichen-Nazi“-Seite seine Schäfchen lockt, prüfe jede Leserin und jeder Leser selbst.

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