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Corona hinterlässt Spuren bei den Kindern:  schulisch, sozial und psychisch. Deshalb ist es richtig, dass die Bundesregierung jetzt zwei Milliarden Euro in ein Aufholprogramm für Kinder und Jugendliche investiert – und die Länder dazu auffordert, noch einmal kräftig etwas draufzulegen.
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Corona hinterlässt Spuren bei den Kindern: schulisch, sozial und psychisch. Deshalb ist es richtig, dass die Bundesregierung jetzt zwei Milliarden Euro in ein Aufholprogramm für Kinder und Jugendliche investiert – und die Länder dazu auffordert, noch einmal kräftig etwas draufzulegen.

Leitartikel

Leben zurückgeben – darauf kommt es jetzt an

  • vonTobias Peter
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Corona: Das milliardenschwere Aufholprogramm für Kinder und Jugendliche darf jetzt nicht – wie schon der Digitalpakt – in der Bürokratie versanden. Der Leitartikel.

Es hat in den vergangenen Jahrzehnten keine schlechtere Zeit als die Corona-Krise gegeben, um Kind oder jugendlich zu sein. Eine Zweitklässlerin von heute weiß kaum, wie ein normaler Schulalltag aussieht. 16-Jährige müssen sich in dem einschränken, was in diesem Alter für die eigene Entwicklung entscheidend ist: dem Treffen mit der Clique, dem Freund, der Freundin, der Entwicklung wachsender Selbstständigkeit. Und Abiturient:innen können noch nicht mal ein bisschen feiern.

Das alles hinterlässt Spuren: schulisch, sozial und psychisch. Deshalb ist es richtig, dass die Bundesregierung jetzt zwei Milliarden Euro in ein Aufholprogramm für Kinder und Jugendliche investiert – und die Länder dazu auffordert, noch einmal kräftig etwas draufzulegen. Der Bedarf, Lernlücken zu schließen, aber auch soziale Erfahrungen durch Sommerfreizeiten oder außerschulische Angebote nachzuholen, ist riesig.

Jetzt kommt es entscheidend darauf an, dass die Mittel auch tatsächlich rasch dorthin gelangen, wo sie gebraucht werden. Es darf nicht derselbe Fehler passieren wie beim Digitalpakt Schule: Hier wurden zwar in der Krise neue Milliarden mobilisiert, doch das Geld kam und kommt bis heute nur sehr schleppend in den Schulen an. Die erste Frage muss beim neuen Aufholprogramm jetzt also sein: Wo gibt es noch bürokratische Hürden und wie können sie schnellstmöglich aus dem Weg geräumt werden?

Für den Teil des Aufholprogramms, bei dem es um Nachhilfe beim Lernen geht, muss an den Schulen unverzüglich identifiziert werden, wer die Förderung am dringendsten braucht. In Zeiten des schulischen Lockdowns haben diejenigen die größten Nachteile, die zu Hause kaum oder gar nicht gefördert werden können.

Für die, die nicht einmal einen ruhigen Platz zum Lernen haben, waren in der Corona-Krise die größten Probleme praktisch programmiert. Die soziale Kluft bei den Bildungschancen, die in Deutschland ohnehin unerträglich groß ist, ist noch einmal ein gutes Stück gewachsen.

Ein Ziel des Aufholprogramms muss also sein, Sitzenbleiben in der Corona-Krise so weit wie möglich zu vermeiden. Es ist unfair, wenn Kinder und Jugendliche aus ärmeren Familien und bildungsfernen Schichten den Preis für die Krise jetzt damit bezahlen müssen, dass sie ein Jahr dranhängen und sich in eine neue Klasse eingewöhnen müssen.

Darüber hinaus ist klar: Jeder Euro, der jetzt für zusätzliche Sprachförderung in die Kitas fließt, ist gut investiert. Gerade Kinder aus Familien mit Migrationsgeschichte, bei denen zu Hause nicht oder nur wenig Deutsch gesprochen wird, haben wichtige Monate verloren. Ihnen zu helfen, muss Priorität haben. Die Folgen fehlender Unterstützung sind auf Dauer für die Gesellschaft weitaus teurer, als frühzeitig gute Förderprogramme umzusetzen.

Bei den Schulkindern sollten und können Lehramtsstudierende bei den zusätzlichen Angeboten helfen. Das wäre auch schon viel früher im Verlauf der Corona-Krise ein richtiger Ansatz gewesen. Es gilt aber: Besser spät als nie!

In der Pandemie hatte der Gesundheitsschutz oft Vorrang vor den Interessen von Kindern und Jugendlichen – und vernünftigerweise ging das auch lange nicht anders. Die Mehrheit der jungen Menschen hat bei den Einschränkungen gut mitgezogen – auch, um ihre Eltern und Großeltern zu schützen. Weder Nachhilfestunden noch Freizeitprogramme können verlorene Erfahrungen vollständig ersetzen, aber vielleicht können sie eine kleine Entschädigung sein.

Die wirkliche Freiheit für die Jugendlichen kommt mit der Impfung. Deshalb sollten wir über den Sommer die über 16-Jährigen und, wenn der Biontech-Impfstoff für 12- bis 15-Jährige zugelassen ist, auch die Jüngeren in den Fokus nehmen. Sie haben lange genug gewartet. Gebt ihnen ihre Jugend zurück!

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