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Gefundenes Fressen für die Jusos: Merkel schüttelt Hoeneß die Hand.
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Gefundenes Fressen für die Jusos: Merkel schüttelt Hoeneß die Hand.

Kolumne

Es lebe die Postkarte!

  • Klaus Staeck
    VonKlaus Staeck
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Die Reaktion auf die Aktion mit dem Bild von Merkel und Hoeneß zeigt: Inhalte sind den meisten Medien offenbar egal.

Jetzt kann ich es ja sagen: Die Aktion mit der Merkel/Hoeneß-Postkarte ist Teil eines Feldversuchs. Mitten in einem Wahlkampf, der keiner ist, weil sich die noch amtierende Regierung um jede Auseinandersetzung über wichtige Zukunftsthemen drückt. Ich wollte mit diesem Experiment einmal ausprobieren, was an der Behauptung dran ist, die Medien verletzten mit ihrer Treibjagd gegen Peer Steinbrück und die SPD den bisher geltenden journalistischen Grundsatz der Gleichbehandlung aller Kandidaten. Besonders die Montagszyniker vom Dienst, die sich jetzt einen „Bild“-Mann in die Chefetage holen wollen, um im „Spiegel“ die Skandalkarte noch besser spielen zu können.

Als Satiriker sucht man in dieser Situation nach Möglichkeiten, den Meinungsgiganten ihre Einheitssuppe etwas zu versalzen. So kam ich auf das Foto „Kanzlerin schüttelt äußerst populärem Fußballmanager nach dessen eingestandener Steuerhinterziehung vor einem Millionenpublikum im Londoner Wembley-Stadion freudig die Hand“. Diese kalkulierte Geste nicht nur an die Sportfangemeinde erweckt den Anschein, dass Steuerhinterziehung im allgemeinen zwar böse ist, aber der liebe Uli nach wie vor ihr volles Vertrauen genießt, das sie zuvor bestritt. Ganz nebenbei: Auch ich wünsche Uli Hoeneß, der sich stets sozial engagiert hat, ein faires Urteil, im Falle eines Urteils.

Ich komme noch immer nicht aus dem Staunen heraus, was man selbst im elektronischen Zeitalter mit einer simplen Postkarte noch auslösen kann. Zunächst mit mäßigem Erfolg ins Netz gestellt, machte niemand von meinem Angebot Gebrauch, das Motiv kostenlos abzudrucken. Das änderte sich erst dann radikal, als die Jusos eine große Anzahl Karten zum Druckpreis orderten mit dem Ziel, diese vor Fußballstadien zu verteilen.

Mit der Umfragekeule erschlagen

Die Bilanz der zahlreichen Berichte über das Postkartenabenteuer macht deutlich, was es am konkreten Beispiel zu beweisen galt. Denn man muss nicht besonders satireaffin sein oder über einen außergewöhnlich hohen IQ verfügen, um zu erkennen, dass gar nicht Uli Hoeneß der Hauptadressat meiner Bild/Text-Collage ist. Völlig absurd wird es, wenn ein leibhaftiger CSU-Generalsekretär das florierende Wirtschaftsunternehmen FC Bayern bzw. gleich das ganze schöne Bayernland angegriffen sieht, das es mit markigen Sprüchen zu verteidigen gilt.

Fest steht allerdings auch, dass fast alle Medien mit ihrer bewussten oder in Kauf genommenen Fehlinterpretation des Motivs erst die Vorlage für derart abstruse Unterstellungen geliefert haben. Das Thema meiner Satire ist Steuerhinterziehung und gewerbsmäßig betriebene Steuervermeidung durch global agierende Konzerne zum Schaden der Steuerzahler – und die Nichtbehandlung durch die Politik. Dies wäre eine inhaltliche Auseinandersetzung. Und kein Ablenkungsmanöver, ob man vor Stadien etwas verteilen darf oder ob der grüne Rasen eine politikfreie Zone ist.

Verweigert wird einmal mehr die Debatte um Inhalte. Das passt zur Gesamtsituation, in der gleichzeitig jedes noch so stichhaltige Argument der Opposition sofort mit der Umfragekeule erschlagen wird. Es ist nicht das erste Mal, dass intensiv versucht wird, mit den Zahlen der vielen Meinungsinstitute politisch Einfluss zu nehmen, doch diesmal grenzt ihr medialer Einsatz an Infoterror.

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