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Gastbeitrag Wirtschaft Frauen

Lauter Fehlanreize

Noch immer klafft eine erhebliche Lücke bei der Bewertung und der Bezahlung der Arbeit von Männern und Frauen. Das muss sich ändern.

Von Henrike von Platen

Am Donnerstag ist Equal Pay Day – der Aktionstag für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Dieser Tag ist rechnerisch und symbolisch der Tag, an dem Frauen endlich genauso viel verdient haben, wie Männer bereits am 31.12. des Vorjahres. Frauen müssen also im Schnitt für dasselbe Geld rund drei Monate länger arbeiten als Männer. Am Equal Pay Day wollen wir mit zahlreichen Aktionen bundesweit auf diesen Missstand aufmerksam machen und über die Ursachen aufklären.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Laut Statistischem Bundesamt liegt die aktuelle Lohnlücke zwischen Frauen und Männern im Schnitt bei 22 Prozent. Während 25- bis 34-jährige Frauen 11 Prozent weniger verdienen als Männer, sind es bei 35- bis 44-jährigen bereits 24 Prozent. Die Rentenlücke liegt gar bei 59 Prozent. Auch Bildung schützt Frauen nicht vor niedrigeren Löhnen. Akademikerinnen verdienen 28 Prozent weniger und selbst wenn Frauen es schaffen, in Führungspositionen vorzudringen, verdienen Sie im Schnitt 30 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Viele Mythen

Die Gründe für die Lohnlücke sind ebenso vielfältig wie die Mythen, die rund um dieses Thema kursieren. Oft wird den Frauen der Schwarze Peter zugeschoben. Sind Frauen selbst schuld, weil sie Teilzeit arbeiten, die falschen Berufe wählen oder vielleicht schlechter verhandeln?

Die Ursachen sind zahlreich, doch eines ist klar: Dass Frauen immer noch keine gleichen Einkommens- und Karrierechancen haben, beruht nicht auf individuellen Entscheidungen oder Fehlverhalten einzelner Frauen. Die Erfahrung, beruflich nicht weiterzukommen, machen viele Frauen, wie wir in unserem Netzwerk immer wieder erfahren. Denn der Arbeitsmarkt ist nach wie vor auf männliche Erwerbsbiografien zugeschnitten. Lange Anwesenheitszeiten, ein männlich besetztes Top-Management und traditionelle Rollenerwartungen fördern indirekt Männer und machen es Frauen schwerer, Karriere zu machen. Ehegattensplitting, Betreuungsgeld und Minijobs stellen darüber hinaus politisch gesetzte Fehlanreize dar, die Frauen häufig in die Falle langer Erwerbsunterbrechungen oder geringfügiger Beschäftigung lenken.

Schlechterer Bezahlung

Zu den Sparten, in denen Frauen unter schlechterer Bezahlung arbeiten müssen, gehören die Gesundheitsberufe. 80 Prozent der Beschäftigten in dieser Branche sind Frauen. Hebammen, Altenpflegerinnen und Krankenschwestern haben alle eines gemeinsam: Die Ausbildung ist anspruchsvoll, der Beruf körperlich und psychisch belastend und die Arbeitszeiten sind mit vielen Schichtdiensten versehen. Die Bezahlung liegt jedoch im Vergleich zu gleichwertigen Ausbildungsberufen am unteren Rand der Gehaltsstatistiken. Warum das so ist, ist historisch herleitbar. Pflegetätigkeiten wurden lange eher als ein Akt der Nächstenliebe denn als echte Profession angesehen und überhaupt nicht bezahlt. Noch vor 100 Jahren wurden diese Arbeiten oft für Kost und Logis von Ordensschwestern oder Diakonissinnen erledigt. Nächstenliebe oder das, was wir heute als soziale Kompetenz bezeichnen, wird auch heute noch nur in Ausnahmefällen in Tarifverträgen berücksichtigt. Wussten Sie, dass das Heben schwerer Lasten etwa bei Müllmännern als Kriterium für die Arbeitsbewertung herangezogen wird und das Entgelt erhöht, dies bei Pflegeberufen aber nicht der Fall ist?

Frauen betrifft unser Themenschwerpunkt gleich doppelt. Zum einen, weil es vor allem Frauen sind, die in schlecht bezahlten Gesundheitsberufen arbeiten. Zum anderen sind es vor allem Frauen, die für ihre eigene Berufstätigkeit und Karriere auf ein funktionierendes Gesundheits- und Pflegesystem angewiesen sind. Denn meist sind sie es, die die Versorgung pflegebedürftiger Angehöriger übernehmen – auf Kosten ihrer eigenen Erwerbstätigkeit.

Zu kurz gedacht

Rund 500?000 Pflegekräfte werden im Jahr 2030 fehlen, meldete die Bertelsmann-Stiftung Ende letzten Jahres. Sollen wir vor diesem Hintergrund Frauen raten – wie es häufig getan wird – keine typischen Frauenberufe mehr zu wählen? In unserer alternden Gesellschaft ist das zu kurz gedacht. Was wir brauchen ist vielmehr ein geschlechtergerechtes Tarifsystem, das das, was Frauenberufe leisten, auch finanziell abbildet.

Die Business and Professional Women (BPW) Germany haben den Equal Pay Day 2008 nach Deutschland gebracht, um auf die ungleichen Einkommens- und Karrierechancen aufmerksam zu machen. Das Thema hat sich auch nach fünf Aktionstagen noch nicht erledigt. Aus diesem Grund lassen wir nicht nach, die Debatte in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zu tragen – das ganze Jahr über. Am Equal Pay Day machen wir bundesweit mit Kundgebungen, Flashmobs und roten Taschen, dem Symbol für ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern, darauf aufmerksam.

Henrike von Platen ist Präsidentin der deutschen Business and Professional Women (BPW) und eine der Initiatorinnen des Equal Pay Day in Deutschland.

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